UBS-VR-Präsident - Axel Weber zu Aktien: «Wir glauben nicht an einen Crash»

Axel Weber sieht wegen der steigenden Zinsen in den USA die goldene Zeit am Aktienmarkt vorüber. «Wir werden sicherlich den grössten Teil der Aktienmarktdynamik gesehen haben.»
07.09.2017 11:22
Axel Weber, VR-Präsident UBS.
Axel Weber, VR-Präsident UBS.
Bild: Bloomberg

Das sagte der Präsident des UBS-Verwaltungsrates am Donnerstag bei einer Bankentagung in Frankfurt. Gleichzeitig warnte er aber vor einer Panikmache: "Wir glauben nicht an einen Crash."

Die Geldflut der Notenbanken nach dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Zinsen für Anleihen einbrechen lassen - viele Anleger flüchteten sich in den Aktienmarkt, der dies- und jenseits des Atlantiks auf Rekordhöhen stieg. Mit der eingeleiteten Wende in der Geldpolitik müsse die US-Notenbank Fed nun Anleihen, die sie zu Krisenzeiten gekauft habe, "rausplatzieren in den privaten Markt", führte Weber aus. Dadurch würden die Zinsen steigen und Anleihen wieder an Attraktivität gewinnen.

"Dieser Gegenwind wird die Märkte belasten", sagte Weber, schob aber hinterher: "Das muss nicht notwendigerweise dazu führen, dass die Märkte einbrechen." Die Wirtschaft laufe heute wesentlich besser als zu der Zeit, als die Fed die Anleihekäufe begonnen habe. Die Unternehmen seien "in einem guten Gewinnumfeld". Chancen für Anleger sieht Weber noch auf dem europäischen Aktienmarkt, der weniger stark gelaufen sei als der US-amerikanische.

EZB muss Normalisierung einleiten

Axel Weber hält zudem eine Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum für überfällig. «Ich bin überzeugt, dass die EZB jetzt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sehr geordnet planen müsste.»

Die Europäische Zentralbank (EZB) sei "eher hinter der Kurve als vor der Kurve". Weber betonte: "Die EZB muss sich aus dem Kauf von Anleihen zurückziehen. Punkt." Die Märkte bräuchten endlich Klarheit über das weitere Vorgehen. Er erwarte aber am Donnerstag keine grossen Ankündigungen der Notenbank.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) tagte zeitgleich in Frankfurt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte angekündigt, das oberste Entscheidungsgremium der Notenbank wolle von Herbst an über mögliche Änderungen des Anti-Krisen-Kurses diskutieren - auf Grundlage der neuesten Prognosen zur Entwicklung von Konjunktur und Inflation im Euroraum. Die EZB strebt mittelfristig Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

Weber sagte, er halte die "Feinjustierung von Inflationsraten" für falsch und nicht mehr zeitgemäss. "Die Notenbankmodelle sind in den letzten 30 Jahren nicht angepasst worden an eine globale neue Realität", betonte der Volkswirt. So werde etwa die Immobilienpreisentwicklung über Mieten abgedeckt, die sich aber nur zeitverzögert änderten. "Ich halte es für etwas absurd, dass die Notenbanken feinjustiert darauf schauen, ob die Inflation 2,0 Prozent oder 1,85 Prozent ist. Diese Art von Statistikgläubigkeit der Notenbanken halte ich für falsch."

(AWP)