Übernahme in Autobranche - Gewinner und Verlierer des Peugeot-Opel-Deals

Am Autosalon in Genf wird die Übernahme von Opel durch Peugeot zu reden geben. Unter anderem stellt sich die Frage, welche Automarken vom Deal profitieren - und welche nicht.
05.03.2017 12:04
Opel Corsa in Paris, im Land seines neuen Besitzers.
Opel Corsa in Paris, im Land seines neuen Besitzers.
Bild: ZVG

Noch sind auf der Automesse in Genf die Markenlogos Löwe und Blitz ein ganzes Stück voneinander entfernt. Doch schon im kommenden Jahr dürfte der französische Peugeot-Konzern PSA zusammen mit der deutschen Traditionsmarke Opel auf der Branchenmesse neue Stärke an einem großen Gemeinschaftsstand demonstrieren.

Nach der Übernahme der General-Motors-Tochter Opel wird sich Peugeot mit dem Erzrivalen Renault-Nissan ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Rang des zweitgrößten Autokonzerns in Europa hinter Platzhirsch Volkswagen liefern. Was das für die drittgrößte Pkw-Absatzregion weltweit bedeutet, dürfte ein viel diskutiertes Thema auf der Autoschau am Genfersee sein. "In Europa wird die Wettbewerbsintensität steigen", erwartet etwa Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Opel und PSA kooperieren schon seit fünf Jahren in einer Einkaufs- und Entwicklungsallianz, um Kosten zu senken. In Genf präsentieren sie ein wichtiges Gemeinschaftsprojekt: Das Stadt-SUV Crossland X von Opel hat gleiche Bauteile wie der geplante Citroen-Geländewagen C3. Das Fundament der beiden stammt vom Peugeot 2008.

SUVs sind auch ein Schwerpunkt auf der Messe, die von 9. bis 19. März ihre Tore für Besucher öffnet. Die hohe Nachfrage nach den vergleichsweise schweren Wagen ist nach einer CAM-Studie dafür verantwortlich, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 im Branchenschnitt 2016 um 2,2 Prozent und damit langsamer als bisher abnahm auf rund 127 Gramm je 100 Kilometer. Die Autobauer wollen vor allem mit Elektroautos im kommenden Jahrzehnt schärfere Umweltvorschriften in Europa und China erfüllen. Premieren dazu sind für Genf aber nicht angekündigt.

Schon einmal Gesprächsthema

Opels Zukunft war schon einmal Gesprächsthema auf der Genfer Autoschau. In der Krise 2009 war viel von hohen Überkapazitäten in Europas Autoindustrie die Rede, auch Opel gehörte zu den angezählten Marken. Ein Untergang des Schöpfers von Modellen wie Kapitän, Kadett oder Astra hätte den Markt gesundschrumpfen lassen, wurde spekuliert. Konsolidierungsdruck in Europa blieb seither ein Thema, auch wenn sich die Frage wegen der Erholung des Marktes längst nicht mehr so scharf stellt. Im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Neufahrzeugen in der EU um knapp sieben Prozent auf 14,6 Millionen Stück und erreichte damit fast wieder das Vorkrisenniveau. Trotz der Sorge über den Brexit und die Zukunft des EU-Binnenmarktes soll es 2017 weiter aufwärts gehen, wenn auch deutlich langsamer.

Eine Marktbereinigung durch das Entstehen des Vier-Marken-Konzerns aus Peugeot, Citroen, Opel und der britischen GM-Schwestermarke Vauxhall erwarten Experten zumindest in den kommenden Jahren nicht. "Die Marken Opel und Vauxhall werden bestehen bleiben, auch ein Kapazitätsabbau ist zunächst offenbar nicht geplant – der Wettbewerbsdruck wird sich deshalb nicht unmittelbar abschwächen", sagt etwa Marc-René Tonn von Warburg Research. Mit schärferer Konkurrenz rechnet auch Bratzel.

PSA-Chef Carlos Tavares wolle einen Verbund schaffen, der es mit dem Marktführer VW aufnehmen könne. Priorität habe für ihn, den addierten Marktanteil von 16 Prozent in Europa auszubauen. Zugleich werde er die chronisch defizitäre deutsche Marke auf Rendite trimmen, schließlich will der Franzose im Konzern die 2016 erreichte operative Marge von sechs Prozent halten. Sobald die noch geltenden Zusagen von GM für Standorte und Beschäftigung in Europa Ende des Jahrzehnts auslaufen, erwarten Analysten die Schließung von Werken. "Wenn PSA/Opel wettbewerbsfähiger wird, müssen die anderen zusehen, wie sie nachziehen", sagt Bratzel.

Ein Grund zum Zittern ist das für Volkswagen aber nicht, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen erklärt. Die schwächelnde Kernmarke VW soll bis 2020 die Rendite auf vier Prozent etwa verdoppeln. Markenchef Herbert Diess will das vor allem mit einem Personalabbau erreichen.

"Wenn Wolfsburg seine Kosten in Ordnung bringt, sind sie gut unterwegs, egal was Peugeot/Opel machen", sagt Dudenhöffer. Als Verlierer gilt dagegen Fiat Chrysler. Dessen Chef Sergio Marchionne redete in der Vergangenheit angesichts der hohen Ausgaben für Investitionen, zu denen alle Autobauer wegen der Trends zu Elektroautos und Digitalisierung gezwungen sind, Fusionen das Wort und machte GM Avancen - ohne Erfolg. "Für FiatChrysler ist es ein Rückschritt – ein möglicher Konsolidierungspartner ist jetzt abhanden gekommen", sagt Warburg-Analyst Tonn.

(Reuters)