Ukraine verstaatlicht grösste Bank des Landes - 'Mutige Entscheidung'

(Ausführliche Fassung)
19.12.2016 14:34

KIEW (awp international) - Die ukrainische Regierung hat die schwer angeschlagene "Privatbank" überraschend verstaatlicht und die grösste Bank des Landes damit vor der Pleite gerettet. Dem Geldinstitut zufolge besitzt jeder zweite Ukrainer ein Konto bei der 1992 gegründeten Bank. Präsident Petro Poroschenko versuchte, die Millionen Kunden zu beruhigen. "Der Staat garantiert den Schutz der Spareinlagen", sagte das Staatsoberhaupt am Montag in Kiew.

Zentralbankchefin Walerija Gontarewa kündigte die Ausgabe von Staatsanleihen bis zu 5,4 Milliarden Euro an, um die Übernahme zu finanzieren. Die bisherigen Hauptaktionäre der Bank, die Milliardäre Igor Kolomoiski und Gennadi Bogoljubow, waren den Forderungen der Zentralbank nach einer Kapitalerhöhung nicht nachgekommen. Kolomoiski verurteilte die Verstaatlichung als "feindliche Übernahme".

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) begrüsste den Schritt der Regierung. "Das ist das realistischste Mittel, um die Zukunft der Bank zu sichern und das gesamte Bankensystem zu stärken", sagte EBRD-Präsident Suma Chakrabarti. EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete die Entscheidung als mutig. "Dieser Schritt sollte sicherstellen, dass für alle Banken in der Ukraine dieselben aufsichtsrechtlichen Normen gelten", sagte sie in Brüssel. Mogherini stellte dem Land weitere Unterstützung der EU in Aussicht.

Der ukrainische Finanzminister Alexander Daniljuk sagte, mit der Verstaatlichung stiegen die Aussichten auf weitere Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Damit stabilisieren wir die Bank und schützen die Einlagen von fast 20 Millionen Kunden", sagte er. IWF-Chefin Christine Lagarde lobte die Verstaatlichung als "wichtigen Schritt auf dem Weg zur Stabilität des Finanzsystems".

Regierungschef Wladimir Groisman zufolge hatten die Aktionäre der Privatbank aufgrund akuter Finanzprobleme selbst um staatliche Hilfe gebeten. Finanzminister Daniljuk stellte in Aussicht, dass der Staat sich von der Bank nach einer Stabilisierung wieder trennen werde.

Aufgrund einer seit 2014 andauernden Wirtschaftskrise ist die frühere Sowjetrepublik Ukraine auf internationale Hilfsgelder angewiesen. Zuletzt hatte Kiew im September knapp 960 Millionen Euro aus einem vierjährigen IWF-Kredit-Programm von 16,7 Milliarden Euro erhalten./ast/wo/DP/fbr

(AWP)