Umfrage - Helikoptergeld erhitzt Gemüter der cash-Leser

Allen Bürgern Geld schenken, um die Wirtschaft anzukurbeln? In Europa ist die Idee des Helikoptergeldes wieder auf dem Tisch. Die cash-Leser haben eine eindeutige Meinung.
21.08.2019 11:36
Von Pascal Züger
Wird es in Europa bald Geld für alle regnen? (Bild: Ein Helikopter von HeliSwiss)
Wird es in Europa bald Geld für alle regnen? (Bild: Ein Helikopter von HeliSwiss)
Bild: Pixabay

Als "die extremste geldpolitische Massnahme" bezeichnete Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank, das Helikoptergeld jüngst gegenüber cash. Und nach Meinung von Adriel Jost, Chefökonom bei Wellershoff & Partners, ist es gar eine unverantwortliche Geldpolitik, welche die langfristigen Auswirkungen nicht beachtet. 

Dennoch ist das Thema Helikoptergeld in Europa wieder auf dem Tisch. Ex-SNB-Präsident Philipp Hildebrand hatte sich letzte Woche für die Massnahme stark gemacht, sollte sich die derzeitige Konjunkturabschwächung in Europa verschlimmern. Auch Thomas Mayer, ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank, sieht Helikoptergeld als nächsten Schritt in der Geldpolitik der Zentralbanken, wie er im Video-interview mit cash.ch im Frühjahr darlegte.

Seit Jahren versucht die Europäische Zentralbank (EZB) mit Zinssenkungen und Wertpapierkäufen Inflation und Wirtschaft in Schwung zu bringen, mit mässigem Erfolg. Sollen Notenbanken zur Ankurbelung der Wirtschaft stattdessen jedem Bürger eine bestimmte Geldsumme gutschreiben (sogenanntes Helikoptergeld)?

Diese Frage hat cash diese Woche den Leserinnen und Lesern gestellt. Fast 4000 Personen haben an der Umfrage teilgenommen, das Ergebnis ist deutlich:

Wie stehen Sie zum Helikoptergeld?

Zur Ankurbelung der Wirtschaft könnten Notenbanken jedem Bürger eine bestimmte Geldsumme gutschreiben. Befürworten Sie den Einsatz von sogenanntem Helikoptergeld?

Ja. Die Instrumente der Geldpolitik haben versagt. Konjunktur und Konsum können nur noch so angekurbelt werden.
26% (1021 Stimmen)
Nein. Direkte Geldgeschenke an die Bürger sind eine Bankrotterklärung der Geldpolitik und wecken dauerhafte Begehrlichkeiten.
74% (2852 Stimmen)
Gesamtstimmen: 3873

Rund drei Viertel aller Umfrage-Teilnehmenden lehnen die Einführung von Helikoptergeld ab. Das restliche Viertel befürwortet diese ausserordentliche Massnahme.

Das Thema Helikoptergeld erhitzt die Gemüter der Leser. Das zeigen die vollen Kommentarspalten bei cash zu diesem Thema, wo sich Befürworter und Gegner einen verbalen Schlagabtausch liefern.

Leser "Fritzli" etwa sieht den durch Helikoptergeld ausgelösten Inflationsschub als mögliches Problem. Und "Torpedo" ergänzt, dass Geld nur durch Arbeit entstehen könne und alles andere Betrug sei: "Könnte man Geld einfach so herzaubern, müsste niemand mehr arbeiten."

Stephan Fehlmann wiederum fragt sich, was passiert, wenn das Helikoptergeld erst einmal in Umlauf gebracht wurde und es der Wirtschaft wieder besser läuft. Sinkt dann nach dem "Verbraten dieser Geschenke" die Wirtschaft wieder in Bodenlose? Wartet man dann wieder auf die nächste Tranche?

1000 Franken bei der Post abholen?

Doch auch Befürworter melden sich zu Wort: Für User "Immocall Immobilien" etwa ist die Einführung kein Problem. Er schlägt vor, dass das Geld als Bedingung vom Bürger innert Jahresfrist ausgegeben werden muss. Im Falle der Schweiz könne dadurch der Franken geschwächt werden und die Negativzinsen seien "Schnee von gestern".

René F. Oberhänsli geht sogar noch einen Schritt weiter und skizziert einen Plan für die konkrete Umsetzung in der Schweiz: Jede auf einer Schweizer Steuererklärung aufgeführte Person soll an einem bestimmten Tag 1000 Franken erhalten. "Am besten als Bargeld, das auf der Post abgeholt werden kann", so Oberhänsli. Dadurch könne sichergestellt werden, dass das Helikoptergeld "bis in das hinterste Bündner Bergtal" wirke und es die lokale Kaufkraft stärke. Das Geld solle dann auch versteuert werden, wodurch tiefere Einkommen von einem tieferen Steuersatz profitierten als die Besserverdienenden.

Welche Effekte und Nebenwirkungen die Einführung von Helikoptergeld tatsächlich haben würde, ist unklar. Bislang hat weltweit noch keine Notenbank zu diesem Mittel gegriffen. Am ehesten wird die erstmalige Einführung nun der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der Bank of Japan zugetraut.

EZB-Chef Mario Draghi hat sich übrigens im Jahr 2016 zu diesem Thema geäussert. Damals nannte er Helikoptergeld als "sehr interessantes Konzept". Er krebste kurze Zeit später aber wieder etwas zurück und sagte, eine Einführung sei kein Thema. Ob die EZB ihre Meinung inzwischen geändert hat?