Umweltallianz sieht Energiewende noch nicht voll auf Kurs

(Ausführliche Fassung)
05.09.2016 13:01

Bern (awp/sda) - Aus Sicht von Umweltorganisationen zeigt die Schweizer Energiewende leicht positive Tendenzen, voll auf Kurs sei sie aber noch nicht. Grossen Nachholbedarf verortet die "Umweltallianz" bei der Atomsicherheit und der Energieeffizienz.

Die Schweizer Energiewende zeige "zaghaft, aber feststellbar Fortschritte" gegenüber dem Vorjahr, stellt die Umweltallianz in ihrer am Montag veröffentlichten Zwischenbilanz zur Schweizer Energiewende fest. Zur Allianz gehören die vier Organisationen WWF, Greenpeace, VCS und Pro Natura.

7 von 20 Indikatoren ihres Energiewende-Index hätten sich positiv entwickelt, schreiben die Organisationen. Zu den Fortschritten zählt laut diesem Index etwa die Abnahme an CO2-Emissionen aus der Energieerzeugung. Diese sind um eine Million Tonnen gesunken.

Gleichzeitig stieg in der Schweiz der Anteil an erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch deutlich an. Damit liegt das Land global gesehen im Trend.

ERNEUERBARE MIT "SCHLAGKRAFT"

Im Bereich der Erneuerbaren Energieträger beobachtet die Allianz nämlich "international erstaunlichen Schwung". Weltweit hätten 2015 die Investitionen in den Zubau von erneuerbarer Energie (286 Mrd. US Dollar) die Investitionen in Gas und Kohle (130 Mrd.) deutlich übertroffen.

"Der Umstieg auf Erneuerbare kommt schneller als erwartet", wird Thomas Vellacott, CEO von WWF Schweiz, in der Medienmitteilung zitiert. Nur eine engagierte Energiepolitik ermögliche, dass die Schweiz auf den fahrenden Zug aufspringen könne.

WENIGER ATOMMÜLL

Voll auf Kurs ist die Energiewende "made in Switzerland" gemessen am Index bei den Energieausgaben für die Volkswirtschaft, den Ausgaben für Stromimporte und bei den Stromkosten pro Haushalt.

Einen umweltpolitisch positiven Nebeneffekt hatten im vergangenen Jahr zudem die zahlreichen Störfälle und unfreiwilligen Stillstände in den Schweizer AKW: Sie führten dazu, dass im Vergleich zum Vorjahr weniger Atommüll produziert wurde.

Dies ist aber gleichzeitig das einzige, was die Allianz im Zusammenhang mit AKW positiv wertet. Beim Indikator Atomsicherheit "rumpelt die Schweizer Energiewende gehörig", kritisiert die Allianz. Es sei noch kein einziger Atommeiler abgeschaltet worden.

INEFFIZIENT

Stocken tut die Energiewende auch im Bereich der Energieeffizienz. Die Schweiz wirtschafte nicht effizient genug - weder beim Stromverbrauch in den Haushalten noch bei der Effizienz des Personenverkehrs.

Der Energiewende-Index zeigt für sieben Bereiche auf, ob die Schweiz für die Erreichung der Energiewende-Ziele bis 2020 auf Kurs ist oder nicht. Er basiert auf öffentlichen Zahlen und wird von der Umweltallianz in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Ernst Basler + Partner jährlich aktualisiert.

BREMSKLOTZ POLITIK

In ihrer Analyse kommt die Umweltallianz zum Schluss, dass der Schwung bei der Energiewende in der Schweiz aus der Bevölkerung und aus dem Gewerbe komme. Die Wende werde durch die Politik "gebremst statt befeuert". Zur Energiestrategie 2050 sagt die Umweltallianz dennoch "entschieden Ja". Sie sei zwar ein "lauer Kompromiss", aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 wird voraussichtlich in der bevorstehenden Herbstession von den Räten bereinigt. Der SVP-Parteivorstand hat jüngst angekündigt, gegen die Vorlage das Referendum ergreifen zu wollen - unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft mitziehe.

(AWP)