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Ungemütliche Monate für die SNB

Die EZB senkt die Leitzinsen - und erweist der Schweizerischen Nationalbank damit einen Bärendienst. Die nächsten Monate werden zur Nervenprobe für die SNB.
04.09.2014 15:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Da werden die Vertreter der Schweizerischen Nationalbank am Donnerstagnachmittag lange Gesichter gemacht haben. Die Europäische Zentralbank senkte die Leitzinsen für den Euroraum völlig überraschend auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent. Damit schafft sie die Leitzinsen im Euroraum praktisch ab.

Und damit werden Euroanlagen noch unattraktiver. Der Franken dagegen wertet sich auf. Die Schweizer Währung befindet sich nun, fast auf den Tag genau drei Jahre nach der Einführung der Kursuntergrenze, wieder bedrohlich nahe bei 1,20 Franken.

Ganz überrascht werden die Schweizer Währungshüter vom EZB-Schritt aber nicht gewesen sein. Die EZB-Spitze um Mario Draghi hat sich in den letzten Monaten "heiss" geredet. Der Erwartungsdruck war entsprechend hoch. Viele Anleger hatten zwar die Ankündigung neuer Anleihenkäufe durch die EZB erwartet. Aber das ist wohl eine Frage der Zeit.

Auch so wird die SNB in den nächsten Wochen und Monaten unter Druck geraten – und womöglich auch unter Zugzwang, etwas zu unternehmen. Denn der Aufwertungsdruck wird kaum vom Franken weichen, zumal geopolitische Krisen den Franken als sicheren Hafen weiterhin attraktiv machen. Händler vermuten, dass die Notenbank über die Obligationenmärkte den Euro bereits gestützt hat und damit zum Renditeverfall bei den Staatsanleihen in Euroland beitrug.

Die SNB wird nicht warten, bis das Währungspaar die Grenze von 1,20 erreicht. Sie dürfte schon bei einem Niveau von 1,2020 intervenieren und Euro aufkaufen - letztmals musste sie das vor zwei Jahren tun. Von weiteren "unkonventionellen Massnahmen" wird sie am ehesten - dies analog zur EZB - die Einführung von Negativzinsen in Erwägung ziehen. Kaum zur Debatte steht eine Erhöhung der Kursuntergrenze auf 1,25. Damit würde die SNB die Märkte bloss provozieren und möglicherweise ein Eigentor schiessen.

Solche SNB-Massnahmen werden nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gehen. Schon das Thema Negativzinsen ist problembeladen. Denn Schweizer Banken haben knapp 315 Milliarden Franken bei der SNB gebunkert. Auch eine erneute Aufblähung der SNB-Devisenbestände durch den massiven Kauf von Euro könnte wieder Diskussionen auslösen. Ganz abgesehen von der Debatte, sollten die SNB-Massnahmen nichts fruchten.

Die SNB und deren Politik wird in der Schweizer Öffentlichkeit wieder zum Thema. Etwas, das sie stets zu vermeiden versucht.