US-Notenbank  - Weltkonjunktur beeinflusst Federal Reserve immer stärker

Die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Federal Reserve wird aus Sicht von Fachleuten immer stärker von Kräften ausserhalb der USA bestimmt.
24.08.2019 06:58
Ein Fussgänger von dem Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington.
Ein Fussgänger von dem Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington.
Bild: Bloomberg

Zwar muss die Fed nur ihrem heimischen US-Kongress Rede und Antwort stehen und auch ihr geldpolitisches Mandat, für Preisstabilität und für Vollbeschäftigung zu sorgen, betrifft ausschliesslich die USA. Doch Experten sind sich sicher: Die Zeiten, in denen die mächtigste Notenbank der Welt ihre Zinspolitik weitgehend unbeeinflusst von aussen gestalten kann, sind vorbei. Sie sprechen sich daher für mehr Koordination in der Geldpolitik aus. 

"Wir sind derart miteinander verwoben worden, dass wir fast in einem Gefangenen-Dilemma stecken", sagt etwa Raghuram Rajan von der University of Chicago Booth School of Business und ehemaliger Notenbank-Gouverneur Indiens. Aus den jahrelangen Niedrigzinsen könne keiner so leicht herauskommen. "Niemand möchte dem anderen voraus sein."

Keiner wolle die Folgen riskieren, mit denen die Fed im Zuge ihrer jüngsten Politik der langsamen Zinserhöhungen konfrontiert gewesen sei. Rajan verwies dabei vor allem auf Schwankungen an den Finanzmärkten sowie auf den Anstieg des Wechselkurses. Allein 2018 kletterte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, um 4,4 Prozent.

Alleingang nicht mehr möglich

Noch 2018 dachten die Dollar-Wächter um Notenbank-Chef Jerome Powell, dass eine US-Wirtschaft am Rande der Vollbeschäftigung ihnen erlaube, praktisch im Alleingang unter den grossen Notenbanken die Leitzinsen anzuheben und ihren Kurs der behutsamen geldpolitischen Normalisierung fortzusetzen.

Von Ende 2015 bis Ende vergangenen Jahres setzte die Fed die Zinsen insgesamt neun mal nach oben. Unter den grossen Notenbanken der Welt war sie nach jahrelanger Krisenpolitik damit einsamer Vorreiter für einen Kurs der vorsichtigen Abkehr von der ultralockeren Ausrichtung.

Doch globale Faktoren durchkreuzten die weiteren Pläne. Der US-Handelsstreit mit China, ein anhaltend schwaches Wachstum in Japan und Europa sowie die Abhängigkeit vieler ausländischer Unternehmen von günstigen Dollar-Krediten wogen schwer.

Dazu kamen wachsende Zinsunterschiede zwischen den USA und dem Rest der Welt. Das trieb den Kurs des Dollar nach oben - sehr zum Missfallen von US-Präsident Donald Trump. Schliesslich vollzog die Fed eine Kehrtwende. Ende Juli senkte sie erstmals seit der Finanzkrise ihren Leitzins auf nunmehr 2,00 bis 2,25 Prozent.

Mehr Koordination in der Geldpolitik

Die Zeit nach der Finanzkrise habe gezeigt, dass die Zinsen inzwischen stärker als je zuvor global bestimmt würden, sagt auch Maurice Obstfeld, Ökonom an der University of California in Berkeley und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die US-Notenbank könne deshalb keinesfalls handeln, ohne zu wissen, welche Länder beeinflusst werden könnten, dass sich dies negativ auf die USA auswirke.

Aus Sicht von Obstfeld sprechen weltweit niedrige Zinsen auch für eine Lockerung der Geldpolitik in den USA - selbst bei einer starken US-Konjunktur. "Der Rest der Welt wird eine grosse Rolle spielen."

Aufgrund dieser stärkeren globalen Vernetzung der Geldpolitik plädiert nicht nur Ex-Notenbank-Gouverneur Rajan für mehr direkte Koordination zwischen den Notenbanken. Auch Adam Posen, Präsident des Washingtoner Peterson Institute for International Economics, hält dies für einen sinnvollen Weg.

Da Kreditbedingungen und Zinsen inzwischen enger zusammenhingen und Wechselkursentwicklungen sich viel stärker auswirkten, spreche vieles dafür, meint der Experte. "Es gibt eine Grenze für das, was eine Zentralbank tun kann, selbst wenn man die Fed ist." Bewegten sich Geldpolitik und Kreditbedingungen in eine Richtung, bringe Koordination wahrscheinlich grosse Vorteile.

(Reuters)