Hügli meint

US-Wahlen: Die Börsen normalisieren sich bald

Donald Trump heisst der neue Präsident der USA - und die Finanzmärkte spielen gar nicht so verrückt wie erwartet. Nicht zuletzt ein Blick auf frühere Wahlen zeigt: Die Richtung an den Märkten könnte sogar bald drehen.
09.11.2016 13:42
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

Der Mann "mit dem Gebaren eines Schulhofschlägers" ("Spiegel.de"), der Börsenschreck, er ist nun also der neue Präsident der USA. Wer die politischen Trends in der weltgrössten Volkswirtschaft in den letzten Jahren mitverfolgt hat, der muss zum Schluss kommen, dass die Wahl von Trump so überraschend nicht ist. Und wer sich daran erinnert, dass auch ein Schauspieler namens Ronald Reagan vom US-Stimmvolk zum mächtigsten Mann der Welt gekürt wurde, der weiss: Die USA ist auch auf politischer Ebene das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Als Reagan gewählt wurde, ging die Welt nicht unter - schon gar nicht an den Finanzmärkten. Dies wird auch bei Trump nicht geschehen. Die Vermutung eines Strategen vom Mittwochmorgen früh, dass es nun "in Sachen Kursausschlägen mindestens zehn Tage lang Brexit hoch fünf" geben werde, ist zu weit hergeholt. Das beweisen die ersten Marktreaktionen in Europa am Mittwoch.

Die Verunsicherung über den Sieg von Trump wird sicher einige Tage andauern. Die Einschätzung der US-Bank Citi, dass der breit gefasste US-Index S&P 500 nach einem Trump-Triumph maximal 5 Prozent tauchen wird, ist viel realistischer als die Prognose von Barclays, die dem selben Index einen Einbruch von 13 Prozent prophezeit.

Die relativ sanfte Börsenreaktion auf Trumps Sieg in den nächsten Tagen lässt sich anhand vieler Faktoren erklären. Oft geht vergessen, dass der Sieg von Trump auch Gewinner hervorbringt. Aktien etwa aus dem Pharmabereich, die gerade den Swiss Market Index am Mittwoch ins Plus hieven. Zudem wissen viele Anleger, dass die Börsen nach unerwarteten Ereignissen und entsprechend negativer Kursreaktion oft einen klaren "Rebound" haben - der britische Leitindex FTSE 100 steht heute etwa 15 Prozent höher als am Tiefpunkt beim Brexit.

Für eine Normalisierung der Märkte sprechen auch weiche statistische Werte: Wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg ausgerechnet hat, drehen die Märkte nach US-Präsidentschaftswahlen oft im Zeitraum von drei Monaten nach dem Urnengang:

Quelle: Bloomberg.com

In der Auflistung wird deutlich, dass der S&P 500 Index jeweils eine Woche nach US-Wahlen oft recht deutlich verliert - aus Enttäuschung über den Wahlausgang oder Verunsicherung über das Wirtschaftsprogramm des neuen Präsidenten. So geschehen im Jahr 2012, als der US-Index nach der Wiederwahl von Barack Obama innert Wochenfrist fast vier Prozent verlor. Deutliche Abschläge resultierten auch 1984 und 1988 nach den Siegen von Ronald Reagan und George H.W. Bush.

Drei Monate später ergab sich aber ein völlig anderes Bild. Der S&P 500 wies in den drei Beispielen eine deutliche Überperformance auf. Am deutlichsten im Jahr 1988, als der breit gefasste US-Index drei Monate nach der Wahl nicht mehr im Minus lag, sondern fast 8 Prozent im Plus.

Es würde nun nicht erstaunen, wenn sich nun nach der Wahl von Donald Trump ein ähnliches Bild ergäbe: Ein Börsen-Minus von einigen Prozent ungefähr eine Woche nach der Wahl, und eine Umkehr dieser Performance drei Monate später - wie etwa beim Sieg von Ronald Reagan im Jahr 1980.