US-WAHL/Trump legt 100-Tage-Plan vor - neuer Belästigungsvorwurf

(Ausführliche Fassung)
23.10.2016 21:53

GETTYSBURG/LOS ANGELES (awp international) - Mit einem 100-Tage-Plan will der US-Republikaner Donald Trump bei einem Wahlsieg am 8. November sofort nach Amtsantritt einen radikalen Wandel einleiten. In einer Rede im historischen Gettysburg listete Trump Dutzende Vorhaben auf - von Neuverhandlungen über internationale Handelspakte bis zu einem Stopp der Einwanderung aus bestimmten Ländern.

Nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Senders ABC liegt Hillary Clinton inzwischen mit 12 Punkten vor Donald Trump: 50 Prozent derer, die überhaupt zur Wahl gehen, wollen ihr demnach die Stimme geben. Für Trump sprachen sich 38 Prozent der Befragten aus.

Trumps Wahlkampfteam räumte den Rückstand im Rennen um die Präsidentschaft ein. "Wir liegen zurück", sagte Sprecherin Kellyanne Conway dem Sender NBC News am Sonntag. Clinton habe "gewaltige" Vorteile, sagte sie: So machten ein früherer Präsident (ihr Mann Bill Clinton), der derzeitige Amtsinhaber Barack Obama, First Lady Michelle Obama und Vizepräsident Joe Biden Wahlkampf für sie - "alle sind viel populärer als sie es für sich selber erhoffen kann".

Zudem habe Clinton in diesem Monat bereits 66 Millionen Dollar in Werbespots gesteckt, doppelt so viel wie im August, betonte Conway. Die meisten dieser Anzeigen seien negativ, auf "persönliche Zerstörung" ausgerichtet - sie sprach von einer "Jauchegrube".

Kandidat Trump hatte zuvor die Medien, seine demokratische Rivalin und das politische Establishment erneut beschuldigt, durch und durch korrupt zu sein. Demnach wollen ihm Clinton - die in den meisten Umfragen in Führung liegt - und die Medien durch die Verbreitung von erfundenen Geschichten die Wahl stehlen.

Jene Frauen, die ihm in den vergangenen Tagen der sexuelle Belästigung beschuldigt haben, will Trump nach der Wahl verklagen: "Sie alle haben gelogen, um meinem Wahlkampf zu schaden."

Inzwischen ging eine weitere Frau mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Trumps elfte Anklägerin, eine Pornodarstellerin und -Produzentin, trat am Samstag in Los Angeles an die Öffentlichkeit. Nach ihrer Schilderung lud Trump sie 2006 am Rande eines Golfwettbewerbs in Lake Tahoe in seine Suite ein. Dort habe er - nur mit einem Schlafanzug bekleidet - sie und zwei Begleiterinnen in eine Umarmung gerissen und ohne Erlaubnis geküsst.

Nachdem sie die Räume verlassen habe, seien ihr telefonisch 10 000 Dollar angeboten worden, wenn sie zurückkomme, was sie abgelehnt habe. Das Trump-Lager nannte die Anschuldigungen in einer schriftlichen Erklärung "lächerlich".

In seinem Programm, das er als "Vertrag zwischen Donald J. Trump und dem amerikanischen Volk" bezeichnete, wiederholte der Milliardär bereits bekannte Pläne. So will er neu über das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta verhandeln, aus dem Transpazifischen Handelspakt TPP aussteigen und "Handelsmissbrauch" durch andere Staaten unterbinden.

Weiter versprach er, unverzüglich mit der Abschiebung straffälliger illegaler Einwanderer zu beginnen und Immigration aus bestimmten "terrorismusanfälligen Regionen" auszusetzen. Am Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko hält der Immobilienunternehmer ebenfalls fest. Und er versicherte erneut, dass Mexiko dafür zahlen werde - wovon die mexikanische Regierung freilich nichts wissen will.

Den "Sumpf der Korruption in Washington" will Trump unter anderem durch die Begrenzung der Amtszeiten von Kongressmitgliedern trockenlegen. Alle "verfassungswidrigen" Verordnungen von Präsident Obama und dessen Gesundheitsreform sollten ebenso rückgängig gemacht werden wie eine Reihe von Umweltauflagen und anderen Regulierungen.

Trumps Auftritt in Gettysburg sollte symbolträchtig sein. Dort hatte Präsident Abraham Lincoln 1863 bei der Einweihung eines Friedhofes für im Bürgerkrieg gefallene Soldaten zur Einheit des Landes aufgerufen und Freiheit und Gleichheit beschworen - die Rede ging als "Gettysburg Address" in die Geschichte ein. Wie damals sei das Land auch heute gespalten, sagte Trump am Samstag. Er wolle die Spaltung "heilen". Dann verbrachte Trump aber die ersten 15 Minuten der Rede mit massiven Attacken gegen seine Kritiker und die Medien./ch/DP/tos

(AWP)