USA erwägen Verkauf von Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren

Die Vereinigten Staaten ziehen laut US-Finanzminister Steven Mnuchin die Platzierung extrem lang laufender Staatsanleihen in Betracht. Anleihen mit Laufzeiten von 50 bis 100 Jahren seien eine "sehr ernsthafte Erwägung", sagte Mnuchin am späten Mittwochabend dem Fernsehsender Bloomberg TV. "Wenn die Bedingungen stimmen, dann würde ich davon ausgehen, dass wir die Vorteile der langfristigen Kreditaufnahme nutzen und diese auch umsetzen werden." Näher äusserte sich Mnuchin nicht.
29.08.2019 13:37

Zurzeit beträgt die längste Laufzeit amerikanischer Staatsanleihen 30 Jahre. Aufgrund seiner Grösse ist die Bedeutung des US-Anleihemarkts für das internationale Finanzsystem von herausragender Bedeutung. Kaum ein Investor, der grössere Summen in halbwegs sicheren Wertpapieren anlegen möchte, kommt an amerikanischen Staatsanleihen vorbei. Zahlreiche Versicherungen, Pensionsfonds oder Vermögensverwalter besitzen die Papiere.

Wie Mnuchin andeutet, dürfte ein Grund für die Erwägungen der US-Regierung das derzeit rekordniedrige Zinsniveau in den USA sein. Vor wenigen Tagen ist der Kapitalmarktzins für 30-jährige US-Anleihen erstmals unter die Marke von zwei Prozent gefallen. Ein solch niedriges Zinsniveau könnten sich die USA mit der Platzierung sehr lang laufender Anleihen sichern.

Eine andere Frage ist, ob Investoren bereit sind, derart lang laufende Papiere zum derzeitigen Zinsniveau zu erwerben. Jüngste Erfahrungen aus Österreich oder Grossbritannien, die ebenfalls ungewöhnlich lang laufende Staatsanleihen verkauft hatten, lassen trotz niedriger Zinsen auf eine rege Nachfrage schliessen. Ein Grund dafür ist die sehr hohe Anlegernachfrage nach Sicherheit - eine Folge zahlreicher politischer Risiken in der Welt./bgf/jkr/jha/

(AWP)