Varoufakis: «Schweiz soll nicht locker lassen»

Das Thema Griechenland ist derzeit etwas abgetaucht - nicht so Yanis Varoufakis. Als gut verdienender Redner tingelt der Ex-Finanzminister Griechenlands durch Europa. Am Mittwoch machte er in Interlaken halt.
13.01.2016 23:08
Von Daniel Hügli, Interlaken
Yanis Varoufakis beantwortet eine Frage von cash.ch am Alpensymposium Interlaken.
Bild: cash

Lederjacke, slim-fit T-Shirt, Motorrad, grimmiger Blick: Yanis Varoufakis ist der Held der europäischen Linken. Als Finanzminister Griechenlands von Januar bis Juli 2015 wehrte er sich gegen die harten Sparauflagen der Retter-Institutionen für das hochverschuldete Griechenland hartnäckig. Insbesondere seine Infights mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der mit dem temporären Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone drohte, boten Stoff für viele Schlagzeilen.

Seine Bekanntheit nutzt der Wirtschaftswissenschafter nun als Redner an Kongressen. Und trotz des Umstandes, dass die Griechenland-Krise wegen Flüchtlingen, Terroranschlägen und Syrien-Konflikt in der Wahrnehmung etwas abgetaucht ist, wird Varoufakis gut gebucht.

Am Mittwoch hatte er einen Auftritt am Alpensymposium in Interlaken. Tags zuvor hielt Vaoufakis einen Vortrag in München. Übernächste Woche ist der Sozialist dann als "Special Guest" an der Investorenmesse "Fonds Professionell" in Mannheim angekündigt, ein paar Tage später tritt er am "Institutional Money Kongress" in Frankfurt auf, wo er als "berühmtester Finanzminister der Welt" durchgeht.

Das "Enfant terrible" Varoufakis will aber auch politisch auf der europäischen Bühne bleiben. Er plant eine linke paneuropäische Bewegung, die"Democracy in Europe Movement 2025" heissen soll.

"Die Idee kam mir im letzten Sommer, als ich mich weigerte, die neuen Verträge mit Europa zu unterschreiben", sagte Varoufakis an einer Medienorientierung (siehe Video) vor seiner Rede in Interlaken. "Denn es läuft etwas spektakulär falsch, wenn ein bankrotter Staat weitere 86 Milliarden Euro nimmt. Unter Bedingungen, die, wie alle erkennen, nicht erfüllt werden können." Schon bei früherer Gelegenheit sagte Varoufakis, die Krise in Griechenland werde mit immer neuen untragbaren Krediten verlängert, und man tue so, als würde dadurch das Problem gelöst.

Gefeilsche geht weiter

Doch auch wenn das dritte Hilfspaket von 86 Milliarden Euro beschlossen ist und die Athener Regierung zuletzt viele Bedingungen erfüllt hat, geht das Gefeilsche um Hilfen der Geldgeber und Reformen der griechischen Regierung munter weiter. Und laut Varoufakis befindet sich Europa noch immer in einer tiefen Krise, es drohe ein Zerfall. "Nämlich in einen deflationären Norden nördlich der Alpen, und in eine lateinische Union im Süden, die geprägt ist durch hohe Arbeitslosigkeit und hohe Inflation". Griechenland selber befinde sich in einem Zustand der Konsternation, es gebe ein "Defizit an Hoffnung". 

Varoufakis stellt die rhetorische Frage: "Ist es nicht an der Zeit, dass wir Europäer eine gemeinsame Annäherung zu den gemeinsamen Problemen starten müssen?" Wie er die Probleme mit seiner neuen paneuropäischen Bewegung angehen will und ob daraus eine politische Partei wird, darüber liess der ehemalige Hellas-Finanzminister aber einiges offen.

"Es ist eine Utopie, es ist ein Prozess, der zu einem Konsens führen kann, wie man Europa demokratisieren kann." Eine von Varoufakis' Hauptforderungen ist die Erhöhung von Transparenz, wie Entscheide zustande kommen - bei den Regierungen, den Behörden und bei der Europäischen Zentralbank. Varoufakis will seine neue Bewegung am 9. Februar in Berlin vorstellen. 

Transparent solle die Schweiz auch mit der Europäischen Union verhandeln, so Varoufakis weiter. Die Eidgenossenschaft müsse vielleicht einige Zugeständnisse machen, die vor allem für den Finanzsektor Auswirkungen hätten. Aber: "Die Schweiz sollte ihre Prinzipien-Treue beibehalten. 'Stick to your guns'", sagte Varoufakis (lasst nicht locker).

Bis 28'000 Euro für einen Auftritt

In europäischen Medien wurde viel spekuliert, wieviel Varoufakis für seine zahlreichen Auftritten verdient. Eine griechische Internetseite veröffentlichte im letzten Oktober einen E-Mail-Verkehr zwischen Varoufakis' Londoner Vermittlungsbüro für Auftritte und einem Journalisten. Dieser gab vor, Varoufakis für einen Auftritt in London buchen zu wollen. Demnach war Varoufakis' Standard-Gebühr ausserhalb Europas bei 60'000 Dollar - Businessclass-Flug, Mahlzeiten plus Spesen extra.

Varoufakis reagierte und legte seine Einkünfte offen. Bei 20 Auftritten im letzten Jahr erhielt er laut eigenen Aussagen keinen Lohn. In drei Fällen waren es zwischen 500 und 1700 Euro Entlöhnung. Für einen Auftritt für einen italienischen Fernsehsender erhielt Varoufakis aber 24'000 Euro netto. Und für einen Auftritt in Singapur bekam er 28'000 Euro.