Venezuela führt wegen Hyperinflation grössere Scheine ein

CARACAS (awp international) - Das Rattern der Geldzählmaschinen ist im sozialistischen Venezuela zum dominierenden Alltagsgeräusch geworden. Um mit der galoppierenden Inflation Schritt zu halten, führt das Land mit den grössten Ölreserven der Welt nun grössere Geldscheine ein. Wie die Zentralbank am Sonntag mitteilte, wird es ab 15. Dezember eine ganz neue Familie an Bolívares-Scheinen geben. Es sollen Scheine im Wert von 500, 1000, 2000, 5000, 10 000, und 20 000 Bolívares in Umlauf gebracht werden. Das Land hat die höchste Inflation weltweit.
04.12.2016 17:32

Bisher ist der 100-Bolívares-Schein mit dem Konterfei des südamerikanischen Befreiers von der spanischen Kolonialmacht, Simón Bolívar, die grösste Note. Auf dem Schwarzmarkt werden der Seite "Dolar Today" zufolge derzeit für einen Dollar bis zu 4400 Bolívares gezahlt. Das macht 44 Scheine á 100 Bolívares für einen Dollar. Da bei Zahlung mit Kreditkarte der viel schlechtere offizielle Kurs (rund 1:660) berechnet wird, bezahlen Gäste zum Beispiel in Hotels in Bar - mit Tüten voller Geldscheine werden die Rechnungen beglichen.

Zuvor hatte Präsident Nicolás Maduro in Caracas entsprechende Massnahmen der Zentralbank angekündigt: "Wir werden Millionen von 500-Bolívares-Scheinen in Umlauf bringen, und Millionen von 5000-Bolívares-Scheinen." Wie die Zentralbank mitteilte, soll es im Kampf gegen die Geldentwertung 10-er, 50-er und 100-er-Münzen geben.

Der Mindestlohn beträgt derzeit 27 091 Bolívares im Monat. Das sind bei der Auszahlung über 270 Scheine. Maduro lässt den Mindestlohn immer weiter erhöhen, um mit der Inflation Schritt zu halten, vor einem Jahr lag er noch bei 9600 Bolivares. Die unteren Schichten sind der Rückhalt der Sozialisten, da sie dank der vielen Sozialprogramme eine spürbare Verbesserung ihrer Lebenssituation erfahren haben.

In den vergangenen Wochen hat die Inflation noch einmal drastisch angezogen, vor ein paar Monaten lag der Schwarzmarktkurs erst bei einem Dollar zu 1000 Bolívares. Der niedrige Ölpreis, fehlende Devisen und Misswirtschaft haben das Land in eine Versorgungskrise gestürzt, es gibt zunehmend Probleme, Auslandsschulden zu bedienen. Die Devisenreserven liegen nur noch bei rund elf Milliarden Euro, wie es in einer Analyse der Landesbank Baden-Württemberg heisst./ir/DP/das

(AWP)