Verschuldungsquoten von EU-Banken werden höher gehen

Die Leverage Ratio von EU-Banken muss drei Prozent betragen. Bei diesem Frühindikator für die Verschuldung einer Bank werden aber viele Institute höher gehen. Unter anderem dient die Schweizer Regulierung als Vorbild.
02.10.2016 13:51
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt ist einer der wichtigsten EU-Bankenstandorte.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt ist einer der wichtigsten EU-Bankenstandorte.
Bild: cash

Global systemrelevante Banken innerhalb der Europäischen Union dürften über die Einhaltung der von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) empfohlenen Mindestanforderung für die Leverage Ratio hinausgehen - zum Teil, um mit der Konkurrenz aus den USA und der Schweiz gleichzuziehen, wie eine Analyse von Fitch Ratings ergab.

Zwar sei es problematisch, ohne bestimmte Anpassungen die Verschuldungsquoten und risikogewichteten Aktiva europäischer Banken mit denen von US-Finanzhäusern zu vergleichen, dennoch erwartet Fitch, dass der Markt die Quoten zwischen Ländern weiterhin ohne Anpassungen vergleicht. 

"Der Druck auf global systemrelevante Banken aus der EU, solange ihren Verschuldungsgrad zu reduzieren und Kapital aufzubauen, bis sich ihre Leverage Ratios stärker denen ihrer US-Wettbewerber angenähert haben, wird weiterhin Geschäftsentscheidungen mitprägen und dürfte bei einigen Banken weitere Reduzierungen von Vermögenswerten erzwingen", schrieben die Fitch-Analysten Christian Scarafia, Bridget Gandy, Joo-Yung Lee und Janine Dow. Sie nannten den Verkauf der Deutschen Postbank durch die Deutsche Bank als Beispiel für eine Veräusserung, die die Leverage der Bank verbessert.

"Banken werden die Entscheidung, welche Vermögenswerte sie abstossen, anhand der Profitabilität dieser Geschäfte treffen", erklärte Scarafia, Senior Director Financial Institutions bei Fitch. "In einer erste Welle haben grosse europäische Handels- und Universalbanken ihre Repo- und Derivatebücher reduziert, was zu besseren Leverage Ratios geführt hat, und weitere Einschnitte sind möglich."

Schweiz hat höhere Anforderungen

Bei einigen Banken werde die fortgesetzte Reduzierung von Vermögenswerten ausserhalb des Kernbereichs wie von nicht strategischen Geschäftsbereichen, langfristigen Derivaten und strukturierten Produkten helfen, die Leverage Ratios zu verbessern. Auch geringere Volumina von hochliquiden, aber margenschwachen Vermögenswerten würden die Leverage verbessern.

Global systemrelevante Banken aus der EU müssen eine Leverage Ratio von drei Prozent sicherstellen, während solche mit Sitz in den USA, die ergänzende Leverage Ratios melden, eine Quote von mindestens sechs Prozent auf Bankebene und mindestens fünf Prozent auf Holdingebene haben müssen.

Die global systemrelevanten Schweizer Banken Credit Suisse und UBS müssen bis Ende 2019 eine Mindest-Leverage-Ratio von fünf Prozent sicherstellen. Ende Juni 2016 meldete Credit Suisse eine Leverage Ratio von 4,4 Prozent, die von UBS lag bei 4,2 Prozent. Das bedeutet, dass die Banken Kapital aufbauen und zusätzliche Tier-1-Instrumente emittieren müssen, um die endgültigen Anforderungen bis zur Frist Ende 2019 zu erfüllen, so Fitch.

(Bloomberg)