Verwaltungsräte: Frauen auf dem Vormarsch

Europäische Firmen setzen immer öfter auf Verwaltungsrätinnen. In diesem Trend hinkt die Schweiz allen anderen Ländern jedoch weit hinterher, wie Erhebungen der Credit Suisse zeigen.
08.09.2015 08:25
Von Lorenz Burkhalter
Gemäss CS tut sich was in den europäischen Aufsichts- und Verwaltungsräten.
Gemäss CS tut sich was in den europäischen Aufsichts- und Verwaltungsräten.
Bild: sxc

Lange Zeit war die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in den Führungsetagen europäischer Publikumsgesellschaften bloss ein Lippenbekenntnis. Doch gemäss einer Erhebung der Credit Suisse hat sich in der jüngsten Vergangenheit einiges getan: Alleine seit Jahresbeginn haben 121 Frauen in Aufsichts- und Verwaltungsräten Einzug erhalten.

Mittlerweile kommt etwas mehr als eine Verwaltungsrätin auf drei Verwaltungsräte, Tendenz steigend. Gerade in Frankreich sind die Frauen auf dem Vormarsch, ist ihre Quote im ersten Semester doch von 31,5 auf 34,6 Prozent gestiegen.

Spitzenreiter Norwegen - Schweiz das Schlusslicht

So ganz zufrieden ist man bei der Schweizer Grossbank dennoch nicht. Denn der Frauenanteil sei nicht zuletzt auch deshalb gestiegen, weil Unternehmen die Anzahl männlicher Verwaltungsräte reduziert hätten, so der Vorwurf. Den Verfassern der Erhebung zufolge schmälert das nicht nur die in Grossbritannien und Deutschland erzielten Fortschritte, sondern eben auch jene in Frankreich.

Ein gutes Beispiel sollte sich das übrige Europa an Skandinavien nehmen. Dort kommt eine Verwaltungsrätin auf zwei Verwaltungsräte. In den Aufsichtsgremien norwegischer Unternehmen beträgt der Frauenanteil 35,4 Prozent - im europäischen Vergleich ein Rekordwert. Ganz anders bei uns in der Schweiz: Gemäss den CS-Erhebungen bilden die im Swiss Market Index vertretenen Unternehmen mit einem Anteil von gerade mal 18,1 Prozent das Schlusslicht.

Die Schweizer Grossbank schätzt, dass bis Ende 2017 europaweit 340 zusätzliche Frauen in Aufsichtsräten Einzug erhalten müssen, damit die von Gesetzes wegen definierten Zielvorgaben erreicht werden können.

Sind "weibliche"Unternehmen erfolgreicher?

Ermutigende Fortschritte gibt es jedenfalls: Den Erhebungen zufolge liegt der Frauenanteil bei immerhin 50 grossen europäischen Firmen schon heute bei mehr als 40 Prozent. Bleibt bloss zu hoffen, dass die Unternehmen die Zielvorgaben nicht nach französischem Vorbild mit einer Reduktion der männlichen Verwaltungsratsmitglieder zu erreichen versuchen.

Interessant wäre auch zu sehen, ob Aktien von Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Verwaltungs- oder Aufsichtsrat besser als andere abschneiden. Vielleicht geht dem die Credit Suisse in der nächsten Erhebung einmal auf den Grund.