Viele Kantone melden Rekord an Selbstanzeigen von Steuersündern

Nachdem auch der Kanton Bern seine Zahlen vorgelegt hat, ist klar: In vielen Kantonen haben sich noch nie so viele reuige Steuersünder angezeigt wie 2016. Spitzenreiter sind Zürich, Bern und Genf. Steuerhinterziehung wird nicht mehr als Kavaliersdelikt angesehen.
24.01.2017 12:14

Einmal im Leben können sich Steuersünder straflos selbst anzeigen. Diese Möglichkeit ist mit der "kleinen Steueramnestie" im Jahr 2010 geschaffen worden. Seither machen Jahr für Jahr Tausende Reuige davon Gebrauch. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Selbstanzeigen vielerorts nochmals sprunghaft angestiegen.

Mehrere Kantone - darunter etwa die beiden Basel, Bern, Zürich, Genf, Tessin, Schwyz, Luzern und Neuenburg - berichten gar von einem neuen Rekord. Das zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda. Unterdessen liegen die Zahlen aller Kantone vor; einzig Waadt und Appenzell Innerrhoden machen keine Angaben.

MEHR SELBSTANZEIGEN DANK AIA

Der Kanton Zürich führt den Rekord auf den bevorstehenden grenzüberschreitenden automatischen Informationsaustausch (AIA) zurück. Das Steueramt hat mehrere hundert Selbstanzeigen mit ausländischen Liegenschaften sowie Konten und Depots registriert.

Rund 2100 neue Selbstanzeigen sind 2016 insgesamt beim Zürcher Steueramt eingegangen - 600 mehr als in den bisherigen Rekordjahren 2014 und 2015. 1900 Fälle hat der Kanton 2016 erledigt - sie spülten Kanton und Gemeinden 69 Mio CHF in die Kasse und dem Bund 16 Mio.

2000 FÄLLE IN GENF

Eine neue Höchstzahl vermeldet auch Bern mit 1150 Selbstanzeigen - 310 mehr als 2014. Das beschert dem Kanton und den bernischen Gemeinden ein Ertrag von 15,5 Mio CHF. Auch Basel-Stadt verzeichnet mit 381 Selbstanzeigen einen neuen Rekord. In Basel-Landschaft sind es mit 797 Anzeigen gar mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

In Neuenburg haben sich 929 Personen selber angezeigt. Dies ist eine Verdreifachung gegenüber den 300 Reuigen im Jahr 2015. Die Steuerverwaltung schätzt den Betrag an hinterzogenen Steuern auf 32,5 Mio CHFn. Dies entspreche einem nicht versteuerten Vermögen von 300 Mio CHF.

Der Kanton Genf rechnet mit mehr als 2000 Fällen, die definitiven Zahlen liegen noch nicht vor. Im Vorjahr waren es etwas über 1000 Anzeigen gewesen. Auch im Tessin haben sich mit 963 Personen so viele Reuige gemeldet wie noch nie. U

Ähnlich ist das Bild in der Zentralschweiz. Luzern vermeldete den Rekord von 421 Selbstanzeigen. Daraus resultierten Einnahmen in Höhe von 16,3 Millionen Franken. Die Luzerner Steuerbehörde begründet den Anstieg unter anderem damit, dass Steuerhinterziehung von der Gesellschaft nicht mehr als Kavaliersdelikt betrachtet werde.

Auch Schwyz, Ob- und Nidwalden verzeichnen neue Höchstwerte. In Schwyz meldeten sich 302 Steuersünder, in Ob- und Nidwalden je 77. Zug mit 152 und Uri mit 20 Fällen blicken auf ein durchschnittliches Jahr zurück. U

In der Ostschweiz führt St. Gallen die Liste mit den meisten Selbstanzeigen an. Im vergangenen Jahr haben 582 Personen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht - so viele wie seit 2010 nicht mehr.

Auch in Graubünden gab es mit 290 Anzeigen fast doppelt so viele wie in den letzten beiden Vorjahren. Damit fliessen 7,2 Mio CHF an Bund, Kantone und Gemeinden. Glarus verbuchte 62 Fälle gegenüber 39 im Jahr 2015.

Im Thurgau haben im vergangenen Jahr 162 Personen den Schritt zur Selbstanzeige gemacht. In Appenzell Ausserrhoden bedeuten die 45 Anzeigen hingegen eine Abnahme. In Schaffhausen meldeten sich 74 säumige Zahler und damit 9 mehr als im Vorjahr.

KEINE AMNESTIE MEHR IM JURA

424 Personen im Aargau und 501 im Kanton Solothurn haben sich bei den Steuerbehörden gemeldet. Wie viele Nachsteuern anfallen werden, lässt sich laut dem Solothurner Steueramt noch nicht beziffern, weil erst die wenigsten veranlagt sind. Hingegen berichtet Solothurn von 75,3 Mio CHF Schwarzgeld, die nachträglich deklariert wurden.

Der Kanton Freiburg berichtet mit 325 Fällen ebenfalls von einem Rekord. Im Wallis hatten sich 2014 mehr Personen angezeigt als 2016, als es 249 waren. Im jungen Kanton Jura konnten sich Steuersünder nur zwischen 2010 und Ende 2014 nachträglich selbst anzeigen. Seither besteht diese Möglichkeit nicht mehr.

dm

(AWP)