Vizeminister in Bolivien erschlagen: UNO besorgt über Gewalt

La Paz (awp/sda/dpa/reu) - Nach der brutalen Folterung und Tötung des Vize-Innenministers am Rande einer Protestaktion haben die Behörden in Bolivien mehr als 40 Minenarbeiter festgenommen. Fünf von ihnen sollen direkt für den Tod des 55-jährigen Rodolfo Illanes verantwortlich sein.
28.08.2016 13:21

Dies sagte Generalstaatsanwalt Ramiro Guerrero in La Paz. Der Chef des Dachverbandes der Bergarbeiter-Genossenschaften (Fencomin), Carlos Mamani, wurde als Rädelsführer festgenommen. Er und zwei Bergleute wurden von der Staatsanwaltschaft wegen Mordes an Illanes angeklagt. Mamani werde zudem wegen schweren Diebstahls, Besitzes von Schusswaffen und Beteiligung an einer kriminellen Organisation angeklagt, teilten die Behörden am Samstag (Ortszeit) mit.

Illanes war am Donnerstag zu einer Strassenblockade der Minenarbeiter in Panduro, 165 Kilometer südöstlich von La Paz, gereist, um in einem Konflikt um eine stärkere Einflussnahme von Gewerkschaften auf die selbstständig organisierten Mineros zu vermitteln. Er wurde von aufgebrachten Arbeitern festgenommen, stundenlang geschlagen und gefoltert. Nach Angaben des Generalstaatsanwalts starb er an schweren Brüchen und inneren Verletzungen.

Minenarbeiter mit grossem Protestpotenzial

Fencomin war jahrelang ein wichtiger Unterstützer des linken Staatspräsidenten Evo Morales. Die Minenarbeiter haben in dem Land einen starken Einfluss und grosses Protestpotenzial. Morales beriet sich am Wochenende mit den wichtigsten Gewerkschaften, die ihn noch unterstützen. Im Februar hatte der seit 2006 regierende Morales ein Referendum verloren, mit dem er sich 2019 eine weitere Wiederwahl sichern wollte.

Die Vereinten Nationen zeigten sich tief besorgt über den Tod von Illanes und forderten rasche Aufklärung. Man bedauere "die extreme Gewalt der Minenarbeiter in den vergangenen Wochen", hiess es. Die UNO mahnte eine Achtung des Rechtsstaats an. Auch drei Kumpel kamen bei Zusammenstössen mit der Polizei ums Leben.

Umstrittenes Gesetz

Die in Genossenschaften zusammengeschlossenen Bergarbeiter protestieren seit Anfang August gegen ein neues Gesetz, nach dem sich ihre Mitglieder auch Gewerkschaften anschliessen dürfen. Dies bedeute eine ungerechtfertigte Einmischung der Gewerkschaften in den Genossenschaftssektor, beanstandete Fencomin.

Morales bezichtigte die Minen-Genossenschaften, Teil einer "politischen Verschwörung" zu sein. Die Kumpel seien von Oppositionellen manipuliert worden. Morales rief eine dreitägige Staatstrauer wegen des Todes seines Kabinettsmitglieds Illanes aus - der Leichnam wurde im Präsidentenpalast aufgebahrt.

(AWP)