Vorsorge - Mindestzinssatz in der 2. Säule soll bei 1 Prozent bleiben

Der Mindestzinssatz für Renten in der zweiten Säule soll für das kommende Jahr nicht angepasst werden, sondern unverändert bei 1 Prozent bleiben. Dies empfiehlt die Eidg. Kommission für berufliche Vorsorge dem Bundesrat.
29.08.2017 17:23
Der Zinssatz der zweiten Vorsorgesäule, der Pensionskassen, soll nicht weiter gesenkt werden.
Der Zinssatz der zweiten Vorsorgesäule, der Pensionskassen, soll nicht weiter gesenkt werden.
Bild: Pixabay

Zudem will sie ihre Formel zur Festlegung des Satzes überprüfen. Gewerkschaften begrüssen die Entscheide, unzufrieden sind die Versicherer.

Konkret empfiehlt die BVG-Kommission dem Bundesrat, in diesem Jahr keine Überprüfung des Mindestzinssatzes vorzunehmen. Mit dem Mindestzinssatz wird bestimmt, zu welchem Satz das Vorsorgeguthaben der Versicherten im BVG-Obligatorium mindestens verzinst werden muss.

Die Kommission werde zudem eine Arbeitsgruppe bilden, welche die Vorgehensweise der Kommission zur Festlegung des Satzes analysiere, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Die Kommission werde auf Basis der Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe im nächsten Frühjahr über die künftige Vorgehensweise zur Bestimmung des Satzes entscheiden.

Der Bundesrat überprüft diesen Satz mindestens alle zwei Jahre. Im letzten Jahr hat er eine Überprüfung vorgenommen und eine Senkung des Satzes von 1,25% auf 1% beschlossen. Angesichts der Negativverzinsung von Obligationen guter Qualität sei ein Zinssatz von 1% vergleichsweise attraktiv, befand damals eine Kommissionsmehrheit.

Vernünftiger Entscheid

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) und der Arbeitnehmerverband Travail.Suisse begrüssten am Dienstag in ersten Reaktionen die Kommissionsbeschlüsse.

Mit der Einsetzung der Arbeitsgruppe ermögliche es die BVG-Kommission, die bislang verwendeten Formeln der Realität anzupassen, schreibt der Gewerkschaftsbund. Denn die bisher angewandten Formeln entsprächen nicht mehr dem heutigen Anlageverhalten der Pensionskassen.

Bundesobligationen nähmen in der Formel eine zu dominante Stellung ein und die gut rentierenden Aktien und Immobilien würden zu wenig berücksichtigt, schreibt Travail.Suisse.

Dies habe dazu geführt, dass der empfohlene Zinssatz zuletzt immer tiefer gefallen sei und sich in den kommenden Jahren in Richtung einer Nullverzinsung bewegt hätte, so der SGB weiter. Dies, obwohl die Pensionskassen zurzeit weit höhere Renditen erwirtschaften.

Keine Senkung auf 0,5 Prozent

Die beiden Arbeitnehmer-Organisationen zeigen sich auch erleichtert darüber, dass dass die BVG-Kommission nicht auf die Forderungen nach einer weiteren Senkung des Mindestzins eingetreten sei. Dies hätte für die Arbeitnehmenden unweigerlich Leistungskürzungen bedeutet.

Mit ihrem Entscheid habe die Kommission den Arbeitgeberverband, den Gewerbeverband und den Versicherungsverband in die Schranken gewiesen, die den Mindestzins auf nur noch 0,5% senken wollten, schreibt der Gewerkschaftsbund.

Versicherungsverband unzufrieden

Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) erachtet den aktuellen Satz von 1% allerdings als zu hoch, wie er am Dienstag mitteilte. Nach seiner Ansicht sollte der Mindestzinssatz "maximal 0,5%" betragen.

Dafür spreche neben den Schwankungen der Märkte vor allem das Zinsniveau, schreibt der SVV. Die Erträge sicherer Anlagen wie Bundesobligationen bewegten sich seit geraumer Zeit auf historischen Tiefstständen. Davon zeugten Negativrenditen auf Bundesanleihen.

Die Pensionskassen seien verpflichtet, die Altersguthaben ihrer Versicherten mindestens mit dem vorgeschriebenen Mindestzinssatz zu verzinsen. Dieser müsse so festgelegt werden, dass ihn die Pensionskassen mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen könnten. Lasse es die finanzielle Lage der Pensionskassen zu, stehe es ihnen frei, die Altersguthaben mit einem höheren Satz zu verzinsen.

(AWP)