VSKB-Präsident: Kantonalbanken gehen im Hypo-Markt keine steigende Risiken ein

Die Schweizer Kantonalbanken gehen im Hypothekarmarkt trotz einem Wachstum von über 4% im vergangenen Jahr keine steigenden Risiken ein. Urs Müller, Präsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB), ist überzeugt, dass sich die Institute bei der Vergabe von Hypothekarkrediten an die Vorgaben der Selbstregulierung - wie Belehnungshöhe, Eigenmittel der Kreditnehmer oder Amortisationsfristen - halten. "Solange die Banken die Vorgaben einhalten, haben wir meiner Ansicht nach kein erhöhtes Risiko", sagt Müller im Interview mit der AWP.
31.05.2017 11:00

Die steigenden Immobilienpreise sieht Müller nicht als Anlass zur Besorgnis. Dem Preisanstieg lägen neben dem tiefen Zinsniveau weitere wesentliche Treiber zugrunde: "Einerseits steigt die Nachfrage nach Immobilien aufgrund des anhaltend starken Bevölkerungswachstums, andererseits sind wegen des derzeitigen Anlagenotstands vermehrt Renditeobjekte gesucht."

Ein schneller Anstieg des Zinsniveaus würde zudem die Zahl der gefährdeten Kredite nicht unmittelbar ansteigen lassen, so der VSKB-Präsident. Der Grund liege darin, dass die Kreditnehmer vorwiegend Festhypotheken mit langen Laufzeiten hielten. "Würden die Zinsen heute ansteigen, dann würde morgen zunächst einmal gar nichts passieren." Gleichzeitig kenne jede Kantonalbank ihre eigenen Zinsänderungsrisiken und habe sich entsprechend positioniert, gab sich Müller überzeugt.

Die Inlandbanken würden im Hypothekarmarkt zwar vermehrt durch neue Konkurrenten wie Pensionskassen und Versicherer konkurriert, sagte Müller. Deren Anteil sei allerdings im Verhältnis zum Gesamtmarkt noch sehr klein. Ebenfalls noch klein und auf bestimmte Marktsegmente begrenzt sei der Anteil von Online-Hypotheken, die unter anderen auch von den Kantonalbanken von Glarus oder Baselland schweizweit angeboten werden.

Eine stärkere Kooperation der 24 Kantonalbanken hält der VSKB-Präsident dort für sinnvoll, wo Synergieeffekte nicht nur möglich, sondern auch erwünscht sind. So wäre etwa eine Zentralisierung von Back Office-Funktionen für die Kantone als Eigentümer möglicherweise gar wünschenswerte Situation. "Aus meiner Sicht ist und bleibt die föderalistische Struktur der Kantonalbankengruppe ein prägendes Charakteristikum unserer Mitglieder."

Das vollständige Interview ist im AWP-Premium-Dienst nachzulesen.

tp/uh

(AWP)