VW-Aktie lässt Dieselgate hinter sich

Nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen in den USA stürzte die VW-Aktie jäh ab. Zwar hat sich der Kurs mittlerweile wieder gefangen. Er dürfte aber noch eine Zeit lang volatil bleiben.
11.09.2016 12:17
Der Abgas-Skandal wurde zuerst in den USA publik. Betroffen sind aber weitere Länder.
Der Abgas-Skandal wurde zuerst in den USA publik. Betroffen sind aber weitere Länder.
Bild: Bloomberg

Der Schock an jenem Montag im September 2015 dürfte so manchem Aktionär noch in den Gliedern sitzen: Gleich zum Handelsauftakt rauschen die Volkswagen-Aktien um gut 14 Prozent in den Keller. Hektisch trennen sich viele Anleger in grossem Stil von VW. Knapp zwei Wochen zuvor erst hatten die Titel mit 172,45 Euro ein Jahreshoch markiert, und nun sind sie mit einem Schlag nur noch etwas mehr als 130 Euro wert.

Bis zum Handelsschluss an jenem 21. September summieren sich die Verluste auf 18,6 Prozent. Erst am 5. Oktober ist bei einem Kurs von 86,36 Euro die Talsohle erreicht. 31,5 Milliarden Euro an Börsenwert sind ausradiert, was in etwa der aktuellen Marktkapitalisierung von Adidas oder der Deutschen Post entspricht.

Was war geschehen? Der traditionsreiche Autobauer - berühmt in der Nachkriegszeit für den unermüdlich von den Bändern rollenden Käfer - hatte massive Abgas-Manipulationen in den USA zugegeben. Die US-Umweltschutzbehörde EPA sprach von einer möglichen Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Sie selbst machte am Freitag, den 18. September, den Fall publik.

Ruf nach personellen Konsequenzen

VW hatte schon am 3. September in einer Telefonkonferenz mit der Behörde die Manipulation eingeräumt, als der Aktienkurs noch über 166 Euro lag. Kein Wunder, dass viele Aktionäre Schadensersatz wollen. Man sei zu spät informiert worden, werfen sie VW vor.

An der Börse wird schnell der Ruf nach einem personellen Neuanfang laut. VW-Chef Martin Winterkorn räumt denn auch ein paar Tage später seinen Schreibtisch und verschafft dem Aktienkurs zumindest einen Tag etwas Luft. Nach einem kurzen Abtauchen unter 100 Euro schliessen die VW-Titel mit 111,50 Euro rund fünf Prozent im Plus.

"Sie haben ihren Chef rausgeschmissen", sagte seinerzeit Ion-Marc Valahu, Fondsmanager beim Vermögensberater Clairinvest. "Das Unternehmen und seine Aktien sollten in der Lage sein, sich zu stabilisieren." Der Analyst sollte mittelfristig recht behalten.

Chefwechsel und US-Kompromiss läuten Trendwende ein

Die Trendwende kommt zwar nicht sofort, aber sie kommt - wenn auch unter zeitweilig heftigen Schwankungen. Am 10. Dezember 2015 verspricht die neue Führungsriege unter Matthias Müller und Hans Dieter Pötsch eine konsequente Aufklärung der Affäre. Anfangs reagieren die Anleger skeptisch, doch kurz vor Handelsschluss drehen VW ins Plus.

Inzwischen haben die Titel ohnehin wieder ein Niveau von über 130 Euro erreicht. Erst im Februar, als Dax & Co insgesamt wegen der Ölpreisturbulenzen unter Druck stehen, rutscht der Kurs nochmals unter die 100-Euro-Marke. Doch selbst die Klage von Profi-Investoren auf einen Schadensersatz von 3,3 Milliarden Euro belastet die Aktien nur zeitweise.

Schon die Aussicht auf eine Einigung mit der US-Umweltbehörde gibt VW an der Börse bald neuen Schub. Als sich der Wolfsburger Konzern am 21. April mit den US-Behörden auf einen umfassenden Entschädigungsplan verständigt liegt der Kurs bei 127 Euro.

VW-Aktie wird wohl volatil bleiben

"Der Diesel-Skandal hat den Volkswagen-Konzern im letzten Jahr genug erschüttert und gelähmt, so dass es längst Zeit wird, sich wieder auf das operative Geschäft zu konzentrieren", schrieb unlängst NordLB-Analyst Frank Schwope in Reaktion auf die Verkündung einer Allianz von VW mit dem US-Lkw-Bauer Navistar. Die Aktie werde volatil bleiben. "Irgendwann ist der Diesel-Skandal ein Non-Event geworden für Anleger", fasst ein Börsianer zusammen.

Inzwischen notieren die VW-Aktien meist um 130 Euro. Damit liegen sie über 20 Prozent unter dem Jahreshoch von 2015 - ähnlich wie Daimler und BWM. Der einzige Unterschied: Daimler und BMW hatten ihre Hochs am 1. Dezember 2015 markiert, VW am 9. September. Zur Erinnerung: Sechs Tage zuvor hatte der Konzern - unbemerkt von der Öffentlichkeit - gegenüber der US-Umweltbehörde die Manipulationen eingeräumt, die dann am 18. September bekannt wurden.

(Reuters)