WEF 2017

«Was im Auto geschieht, bleibt im Auto»

Roland Zwyssig transportiert am WEF in Davos Politiker und Wirtschaftskapitäne. Im Interview mit cash äussert er sich zur diesjährigen Stimmung, zu Pausenbeschäftigungen und zum Austausch mit seinen Gästen.
18.01.2017 13:19
Interview: Ivo Ruch, Davos
Limousinenfahrer Roland Zwyssig (64) mit seinem Arbeitsgerät in Davos.
Limousinenfahrer Roland Zwyssig (64) mit seinem Arbeitsgerät in Davos.
Bild: cash

cash: Herr Zwyssig, Sie sind zum vierten Mal für Fischer Limousine am WEF. Wie läuft ein typischer Tag für Sie ab?

Roland Zwyssig: In diesem Jahr bin ich zum dritten Mal für einen einzigen Gast unterwegs. Im Idealfall erhalte ich ein detailliertes Programm meines Kunden mit den Angaben, wann er wo sein muss. Zwischen den Fahrten habe ich Pause. Aber das Warten ist nicht so einfach, weil man oft weggeschickt wird.

Haben Sie eine spezielle Beschäftigung, um die Pausen zu überbrücken?

Es ist vor allem warten, weil es immer Programmänderungen geben kann. Eventuell liegt mal ein Spaziergang drin oder ich putze und wasche das Auto.

Wo übernachten Sie?

Wir sind in einer Unterkunft in Klosters, wo es auch spätabends noch etwas zu essen gibt.

Müssen Sie für das WEF mit temporären Mitarbeitern kooperieren?

Ja, aber es sind Fahrer, mit denen wir schon öfters zusammengearbeitet haben.

Auch Uber ist am WEF mit Limousinen unterwegs. Ist das für Sie eine Konkurrenz oder ein Partner?

Wir arbeiten nicht mit Uber zusammen und ich würde es auch nicht als direkten Konkurrenten bezeichnen. Wer wirklich einen erstklassigen Service will, kommt zu einem Anbieter wie uns.

Dafür ist Uber wohl günstiger.

Aber wir haben die entsprechenden Ausbildungen, Fahrtrainings und Versicherungen. Das sind alles Kriterien, die bei Uber weniger wichtig sind.

Macht das WEF Vorschriften die eingesetzten Fahrzeuge?

In erster Linie sind es Vorschriften, die den Ausstoss von CO2 betreffen. Farbe und Marke des Autos sind aber egal.

Haben Sie auch Tesla im Einsatz?

Nein. Überhaupt sehe ich in diesem Jahr wenige Tesla. Die Fahrzeuge haben offenbar Mühe mit den Batterien, wenn es so kalt ist.

Auf welchen Strecken sind Ihre Limousinen während des WEF besonders häufig im Einsatz?

Von Zürich Flughafen nach Davos ist die beliebteste Strecke. Aber auch die umliegenden Flugplätze wie Altenrhein oder Friedrichshafen sind ein Thema, weil viele Privatjets nicht nach Zürich fliegen.

Wie hat sich das WEF verändert seit Sie dabei sind?

Davos selbst ist mit dem WEF gewachsen. Die Verkehrsregelung hat sich verbessert, was  ich sehr positiv finde. Das gesamte Verkehrsaufkommen hat abgenommen. Staus sind seltener geworden. Auch die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen sich laufend. In diesem Jahr wurden beispielsweise zahlreiche Betonblöcke aufgestellt, um Attentate mit dem Lastwagen zu unterbinden.

Ohne Leute wie Sie würde das WEF nicht funktionieren. Spüren Sie diese Wertschätzung? Bekommen Sie häufig Trinkgeld?

Trinkgeld ist kein Thema, weil unsere Kunden in der Regel Politiker oder Wirtschaftsführer sind. Diese unterstehen strengen Vorschriften, was das betrifft. Wenn sich der Gast bedankt und sich auf das nächste Jahr freut, ist das eine grosse Anerkennung. Es macht Spass mit hochrangigen Personen unterwegs zu sein und sich mit denen zu unterhalten. Das ist eine andere Liga. Nicht zu vergleichen mit Taxi fahren in der Stadt Zürich.

Es findet also ein Austausch statt zwischen Ihnen und Ihren Gästen?

Wir unterhalten uns relativ oft. Über Gott und die Welt und das finde ich toll. Das ist mein Nutzen des WEF.

Sie bekommen also mit, welche Themen am WEF aktuell sind?

Ich erfahre viel. Meine Gäste arbeiten ja auch im Auto. Ich höre viel, aber was im Auto geschieht, bleibt im Auto.

Welches sind für Sie persönlich die grössten Probleme der Welt?

Die Ungewissheit betreffend Donald Trump und die Zusammenarbeit mit Vladimir Putin. Die Themen Krieg in Syrien und Flüchtlinge sind sehr wichtig. Das sind aber Probleme, die von gewissen mächtigen Personen auch gewollt sind, weil sie davon profitieren.

Häufig wird kritisiert, am WEF würden keine Lösungen für solche Probleme gefunden. Was denken Sie?

Grundsätzlich ist es wichtig für die Schweiz, dass das WEF in Davos stattfindet. Hoffentlich bleibt das so. Ich glaube, der grosse Teil der WEF-Teilnehmer ist bemüht, Dinge zu verbessern. Wenn es auf der Welt immer schlechter läuft, profitiert auch die globale Elite nicht. Sie müssen dafür sorgen, dass sich das Rad weiterdreht.

Das heisst, Sie freuen sich auf das nächste WEF?

Definitiv. Und ich hoffe, mein Gast kommt wieder. Ich würde zum vierten Mal mit ihm zusammenarbeiten. Ich bin gerne hier, weil eine spezielle Stimmung herrscht. Auch die Einheimischen sind anders aufgelegt. Es ist spannend, sich mit denen zu unterhalten.

Wie ist denn die Stimmung in der ansässigen Bevölkerung?

Nicht alle befürworten das WEF. Einige sind komplett dagegen. Doch unter dem Strich profitieren wohl die meisten Einheimischen. Ich glaube, Davos kann mit dieser Woche WEF gut leben.