Wdh: Weitere Pharmakonzerne verzichten auf Preiserhöhungen in den USA

(Wiederholung mit Erläuterung: neu u.a. Preiserhöhung Roche zum 1. Juli) - Nach der scharfen Kritik von US-Präsident Donald Trump verzichten weitere Pharmakonzerne auf Preiserhöhungen auf dem weltweit grössten Arzneimittel-Markt.
20.07.2018 19:57

Die deutsche Merck will im laufenden Jahr nicht mehr Geld für ihre Medikamente verlangen. Das gilt auch für Bayer. Der Leverkusener Konzern wolle die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente in diesem Jahr nicht erhöhen und habe das dem US-Gesundheitsministerium mitgeteilt, erklärte eine Sprecherin am Freitag.

Der Roche-Konzern kündigte das ebenfalls an. Allerdings hatte der grösste Hersteller von Krebsmedikamenten die Preise für neun Arzneien am 1. Juli um durchschnittlich drei Prozent angehoben. Im Gegensatz zum US-Konkurrenten Pfizer, der dem Druck Trumps nachgab und zurückruderte, will Roche davon nicht abrücken.

Mit der kompromisslosen Haltung hebt sich Roche von anderen Pharmariesen ab. Der ebenfalls aus Basel stammende Rivale Novartis sah im Juni von geplanten Erhöhungen ab. Die amerikanische Merck kündigte am Donnerstag Preissenkungen für sieben Wirkstoffe an und versprach, zukünftige Anpassungen an die Inflationsentwicklung zu koppeln. Bei Deutschlands zweitgrösstem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Experten bezweifeln allerdings, ob selektive Preissenkungen oder ein Einfrieren der Preise grosse Auswirkungen haben werden. Analyst Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank sprach von "reinen Lippenbekenntnissen" der Industrie, die ohnehin nur für 2018 gültig seien. "Warum nicht mal für längere Zeit, weil man ohnehin zu den profitabelsten Industrien gehört", fragte er.

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie - sie erzielt dort 40 Prozent ihrer Umsätze. Die Firmen verdienen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei den Medikamentenpreisen bislang kaum Grenzen gesetzt waren.

(AWP)