WEF 2017: Auch Top-Manager betrachten Globalisierung nun skeptisch

Nach Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Politikern sehen mittlerweile auch viele Wirtschaftslenker weltweit die Globalisierung kritisch. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag anlässlich des WEF in Davos veröffentlichte Studie.
16.01.2017 19:23

Der Rückzug ins Nationale sowie die kulturelle und politische Abschottung nähmen zu, stellten die Autoren fest. Dies habe sich schon in den vergangenen sechs bis sieben Umfragen angedeutet, nun sei die Entwicklung aber deutlich spürbar. Für den Bericht befragte die Beratungsgesellschaft PwC 1379 Topmanagern aus 79 Ländern.

Zweifel über den positiven Einfluss der Globalisierung äusserten die Manager demnach insbesondere mit Blick auf die Schliessung der Lücke zwischen Arm und Reich (44% zweifelten daran), bei der Fairness im globalen Steuerwettbewerb (35%) und bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit (28%). Fast uneingeschränkt positiv wird dagegen weiter die Freizügigkeit von Kapital, Gütern, Menschen und Informationen gesehen.

Die wachsende soziale Ungleichheit ist eines der wichtigsten Themen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Zu Beginn hatte die Entwicklungsorganisation Oxfam mit einer Studie für Furore gesorgt, der zufolge die acht reichsten Menschen der Welt zusammengenommen ein ähnlich grosses Vermögen besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit.

UNSICHERES JAHR

Die zunehmende Skepsis gegenüber der Globalisierung auch in den Chefetagen passt zu einer insgesamt verhaltenen Stimmung: Nur 29% der Topmanager sind optimistisch, dass die Weltwirtschaft im laufenden Jahr wächst - das sind kaum mehr als bei der vorherigen Umfrage.

"Für Unternehmer wird 2017 ein unsicheres Jahr", heisst es in der Studie. Er verwies auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump, den Brexit sowie die unklare Zukunft der Eurozone.

Immerhin 51% der Topmanager weltweit gaben aber an, sehr zuversichtlich zu sein, was die Entwicklung des eigenen Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten angeht. Die Konzernchefs in der Schweiz zeigten sich etwas zurückhaltender: Mit 34% waren es aber mehr als doppelt so viele Schweizer Chefs wie im Vorjahr.

Wachstumschancen sehen Schweizer Chefs insbesondere in Deutschland (62%) und in den USA (52%). China hat mit 34% im Vergleich zu 2016 10% verloren.

Fast 80% der Schweizer Konzernchefs haben Sorgen, dass die richtigen Talente verfügbar sind. Für ihre Unternehmen suchen sie neben der Fachexpertise nach Talenten, die Probleme lösen (100%), zusammenarbeiten, kreativ und innovativ sein können (je 97%). Auch die emotionale Intelligenz ist bei den Führern von Schweizer Unternehmen sehr gefragt (93%).

(AWP)