WEF 2017: Geldpolitiker blicken gespannt auf die US-Notenbank Fed

Der geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed wirkt sich auf der ganzen Welt aus. Während SNB-Präsident Thomas Jordan Zinserhöhungen in den USA gelassen entgegen sieht, sorgen sich andere Geldpolitiker um die Auswirkungen auf Schwellenländer und die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft.
17.01.2017 17:58

"Die Normalisierung in den USA ist eine gute Sache", sagte Jordan am Dienstag an einer Diskussionsrunde am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF). Während in Europa und Japan die Zinsen weiterhin auf Rekordtief sind, hat die US-Notenbank Fed im Dezember angesichts einer anziehenden Wirtschaft die Zinsen wieder angehoben und weitere Schritte in Aussicht gestellt.

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) glaubt aber nicht, dass sich damit eine extreme Kluft in der internationalen Geldpolitik auftut, wie er weiter sagte. Auch die wirtschaftliche Situation in Europa werde sich verbessern.

GEFAHR FÜR SCHWELLENLÄNDER

Der chinesische Ökonom und frühere Berater der chinesischen Zentralbank Li Daokui hingegen warnte, die US-Notenbank müsse auch die internationale Situation berücksichtigen. Der US-Dollar sei heute internationaler und wichtiger als noch vor 80 Jahren. Denn der Euro sei geschwächt, der Yen werte sich ab und der Schweizer Franken sei schlicht zu klein.

Sollte die Fed die Zinsen stärker anheben, könnte dies Schwellenländer in die Bredouille bringen. David Rubenstein, Co-Chef der Investmentgesellschaft The Carlyle Group, erinnerte daran, dass sich viele Unternehmen in Schwellenländern in Dollar verschuldet haben. Werte sich der Dollar gegenüber ihren lokalen Währungen zu stark auf, könnten die Firmen ihre Schulden nicht mehr bedienen. Ohne Interventionen drohe ein Bail Out dieser Länder. "Es wäre doch ironisch, wenn Mexiko von der Trump-Administration gerettet werden müsste."

KEINE UNTERSTÜTZUNG VON EZB UND BOJ

Der UBS-Verwaltungsrat und frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht für weitere Zinsanhebungen ohnehin nur begrenzten Spielraum. Es sei unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Notenbank (BOJ) der Fed folgen würden. Nach wie vor fehlten die strukturellen Reformen, die den geldpolitischen Stimulus ablösen könnten. Je höher aber die Zinskluft zwischen den USA einerseits und Japan und Europa auf der anderen Seite ausfalle, umso grösser werde der Aufwertungsdruck auf den Dollar.

Aus demselben Grund spricht sich auch Anthony Scaramucci, Vertrauter des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, für eine langsamere Gangart der Fed aus. Denn ein zu starker Dollar könnte die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft schwächen.

Scaramucci versicherte aber, die Fed bleibe auch unter Trump unabhängig. "Was jeder will - die Regierung eingeschlossen - ist eine unabhängige Fed." Diese Unabhängigkeit habe sich in den vergangenen 104 Jahren ausgezahlt. Der Trump-Regierung gehe es nun um die Wiederbelebung des amerikanischen Traums. Dazu müsse die Fed unabhängig agieren können. Scaramucci kommt aus der Finanzbranche, sitzt im Trump-Übergangsteam und soll künftig auch eine Rolle im Weissen Haus spielen.

(AWP)