WEF: Nationalismus als Risiko für die Weltwirtschaft

Der namhafte Ökonom Nouriel Roubini, Wirtschaftsprofessor in New York, sieht trotz Brexit und der weltweiten Verunsicherung über den Konjunkturverlauf keine globale Rezession oder erneute Finanzkrise aufkommen.
28.06.2016 10:12
Nouriel Roubini bei einem seiner Auftritte am WEF in Davos.
Nouriel Roubini bei einem seiner Auftritte am WEF in Davos.
Bild: Bloomberg

Auf dem chinesischen Ableger des World Economic Forums WEF in China sagt der Experte am Dienstag ein mittelmässiges Wirtschaftswachstum als neue Realität voraus.

Weder für Industrie- noch für Schwellenländer prognostiziert er tiefgreifende Rezessionen, obwohl die traditionellen Massnahmen der Geld- und Fiskalpolitik weitestgehend ihre Impulsfunktionen verloren haben dürften.

Roubini testiert allerdings während einer Podiumsdiskussion ein anderes Risiko für die Weltwirtschaft. So sei das Referendum in Grossbritannien ein eindeutiger Ausdruck für aufkommenden Nationalismus und Populismus gewesen, der die wirtschaftliche Prosperität gefährdet.

Druck der Globalisierungsgegner

Die Abstimmung im Vereinigten Königreich ist in den Augen Roubinis eine Entscheidung zwischen Armen und Reichen, Jungen und Alten sowie Begabten und Unbegabten gewesen, hiess es in einem Communiqué vom WEF im chinesischen Tiajin. Der Druck komme also von Globalisierungsgegnern und dies sei die eigentliche Gefahr für das weltweite Wirtschaften.

Den gleichen Effekt wie in Grossbritannien könnte man zum Beispiel auch in den USA beobachten. Dort repräsentiert Donald Trump die wütenden weissen Fabrikarbeiter, erklärt der NYU-Professor. Diese Gruppe versuche sich allerdings gegen die Globalisierung und damit gegen einen globalen Wirtschaftsaufschwung zu stemmen.

Radikale Parteien, die das Wirtschaftswachstum extrem beeinträchtigen können, strebten also nicht nur in Randgebieten der Europäischen Union auf, mahnt der Experte.

(AWP)