Wegen Trump - Banker schmeisst Job hin und kämpft für Bürgerrechte

Einer der führenden Banker von Barclays in den USA verlässt das Unternehmen, um in seiner Wahlheimat für die Menschenrechte zu kämpfen.
25.03.2017 19:03
Anstatt bei Barclays weiter zu arbeiten, geht Amer Sajed andere Wege.
Anstatt bei Barclays weiter zu arbeiten, geht Amer Sajed andere Wege.
Bild: cash

Dahinter stehen vor allem Sorgen um die Behandlung von Muslimen, Immigranten und Frauen. Amer Sajed, 56, wurde in Pakistan geboren und zog einst zum Studieren in die USA. Er wird im Juli seine Stelle als Leiter des Kreditkartengeschäfts niederlegen.

Er hatte bereits mit der American Civil Liberties Union und anderen Bürgerrechts-Vereinen zusammengearbeitet - ausgelöst durch das scharfe politische Klima unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump, wie zwei informierte Personen berichteten.

Sajed war 2006 bei Barclays an Bord gegangen, nachdem er zuvor schon in den Diensten von Citigroup und HSBC gestanden hatte. Er machte im Laufe der Zeit Karriere und wurde Chef von Barclaycard, dem grössten Kreditkarten-Anbieter in Grossbritannien und einem der Top 10 in Amerika. Sajed lebt in der Nähe von Philadelphia und hat sein Büro in der Barclaycard-Niederlassung in Wilmington, Delaware.

Trumps Kommentare waren ihm zuviel

„Wir wünschen Amer und seiner Familie jedes Glück. Besonders mit Blick auf seine Leidenschaft, die Bürgerrechte zu fördern, und die Gemeinde zu unterstützen, in der er lebt“, sagte Chief Executive Officer Jes Staley in dieser Woche.

Informierten Kreisen zufolge haben die Versuche von Trump, einige muslimische Einwanderer nicht ins Land zu lassen und kritische Journalisten zum Schweigen zu bringen zu bringen, sowie Kommentare über Frauen und Gender-Rechte zu seiner Entscheidung beigetragen, die Bank zu verlassen.

Zwar hat Trump sein Kabinett mit ehemaligen Mitarbeitern von Goldman Sachs bestückt, und viele Banker haben seine Ankündigungen zu Steuersenkungen und Deregulierung begrüsst. Seine Sozialpolitik ist an der Wall Street jedoch nur auf wenig Gegenliebe gestossen.

Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein hatte sich im Januar gegen Trumps kontroversen Versuche ausgesprochen, Einwanderung aus sieben Ländern des Nahen Ostens auszusetzen. Und Mike Corbat von Citigroup erklärte, die Bank mache sich Sorgen um die Botschaft, die von Trumps Anordnung ausgehe.

Vom Toiletten-Putzmann zum Banker

Sajed stammt aus einer reichen Familie in Lahore, Pakistan. Er zog mit 19 Jahren in die USA mit 900 Dollar, wie er vergangenes Jahr in einem Interview mit Bloomberg berichtete. Sein erster Job holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: Während seines Studium am Vassar College säuberte er Toiletten in einem Franchise-Laden von McDonald’s Corp. Er hielt es letztlich nur ein paar Tage aus.

"Es half dabei, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Dass Hierarchien Mist sind und dass im Wesentlichen das zählt, was man selbst macht und wie gut man es macht", sagte er in dem Interview weiter.

Sajed schloss sein Studium 1983 ab und machte später noch einen MBA-Abschluss an der New York University.

Barclaycard erzielte 2015 die höchste Profitabilität unter allen Geschäftsbereichen der Bank. Derzeit arbeitet sie daran, mehr Ressourcen in die Kreditkarten-Sparte zu stecken, um bei ihrer Expansion in Deutschland und den USA zu helfen.

(Bloomberg)