Weitere Festnahmen nach fehlgeschlagenem Putsch in der Türkei

Istanbul (awp/sda/afp/dpa) - Nach dem fehlgeschlagenen Umsturzversuch in der Türkei haben die Sicherheitskräfte ihren Einsatz gegen mutmassliche Unterstützer der Putschisten am Sonntag fortgesetzt. Dutzende Generäle, Richter und Staatsanwälte wurden festgenommen, wie türkische Medien berichteten.
17.07.2016 11:48

Am Sonntagmorgen sei der Brigadegeneral Özhan Özbakir sowie 51 weitere Soldaten bei einer Razzia auf einem Armeestützpunkt in Denizli in Gewahrsam genommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Auf dem auch von der deutschen Bundeswehr genutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik wurde laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" der General Bekir Ercan Van zusammen mit mehr als einem Dutzend weiterer Soldaten festgenommen. Sie würden nun von den Ermittlern befragt.

Die türkische Regierung hatte bereits am Samstag mitgeteilt, dass mehr als 2800 Armeeangehörige unter Putschverdacht festgenommen worden seien. Nach Angaben des Senders NTV sitzen inzwischen 34 Generäle in Untersuchungshaft, unter ihnen Erdal Öztürk, Kommandant der Dritten Armee, sowie der Kommandeur der Zweiten Armee, Adem Huduti.

Zudem wurden laut Anadolu Haftbefehle gegen mehr als 2700 Richter und Staatsanwälte erlassen. Wie viele von den Beschuldigten bereits in Untersuchungshaft sitzen, war zunächst unklar. In der Nacht zum Sonntag wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan bei Einsätzen in den Städten Konya und Gaziantep insgesamt 136 Richter und Staatsanwälte festgenommen.

Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft in Ankara geleitet. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Anhänger des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen zu sein. Die türkische Regierung macht den Erzfeind von Präsident Recep Tayyip Erdogan für den versuchten Militärputsch mit 265 Toten verantwortlich.

Der Kleriker weist diesen Vorwurf entschieden zurück. In einem seltenen Zeitungsinterview sagte Gülen der "New York Times" vom Samstag, möglicherweise stehe gar Erdogan selbst hinter dem Putschversuch.

Putschisten kaperten sechs F16-Jets

Die Putschisten hatten nach Angaben aus Regierungskreisen sechs F16-Kampfflugzeuge in ihre Gewalt gebracht. Die Jets seien von der Luftwaffenbasis in Diyarbakir gestartet, über Istanbul und Ankara geflogen und schliesslich auf der Luftwaffenbasis in Malatya gelandet, hiess es am Sonntag aus Regierungskreisen.

Nach dem Scheitern des Putschversuches hätten in der Nacht zu Sonntag fünf F16 mit regierungstreuen Piloten aus der Luftwaffenbasis Eskisehir Patrouillenflüge über Istanbul absolviert.

(AWP)