Weiterer Vorschlag für Reform der zweiten Säule

Während die Vernehmlassung zur Reform der zweiten Säule noch läuft, bringen Baumeister, Banken und Detailhändler bereits einen neuen Vorschlag ins Spiel. Sie sehen darin einen Mittelweg zwischen dem Sozialpartner-Kompromiss und dem Vorschlag des Gewerbeverbands.
16.01.2020 17:30

Alle Varianten sehen vor, den Mindestumwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent zu senken. Die Folge wären 12 Prozent tiefere Renten. Differenzen gibt es bei den Ausgleichsmassnahmen und bei den Beiträgen.

Der Schweizerische Baumeisterverband, die Swiss Retail Federation und der Arbeitgeberverband von Banken und Finanzdienstleistern schlagen eine Senkung des Koordinationsabzug vor, die sich vor allem bei tieferen Einkommen auswirken soll. Damit würde die Altersvorsorge auch für Teilzeitbeschäftigte verbessert.

Der Bundesrat, der die Kompromisslösung von Arbeitgeberverband und Gewerkschaften in die Vernehmlassung geschickt hat, schlägt eine Halbierung des Koordinationsabzugs vor. Der Gewerbeverband will bei den heute geltenden 24'885 Franken bleiben.

Unterschiede gibt es auch bei den Altersgutschriften. Der neue Vorschlag sieht vor, dass schon 20-Jährige in die Pensionskasse einzahlen sollen. Dafür würden die Beitragssätze weniger steil steigen als heute, was älteren Arbeitnehmenden zugute kommt.

Die Ausfälle für jene Generation, die die Renteneinbussen nicht mehr mit höheren Beiträgen ausgleichen kann, sollen aus Rückstellungen der Pensionskassen finanziert werden, und zwar im Verhältnis zur tatsächlichen Einbusse. Der Bundesrat möchte dafür ein halbes Lohnprozent erheben und den Zustupf weitgehend unabhängig von der Einbusse ausrichten.

Der Gewerkschaftsbund, der den Sozialpartner-Kompromiss mitträgt, reagierte prompt: Die Arbeitgeber in den Banken wollten sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung stehlen, heisst es in einer Stellungnahme. Der Vorschlag würde zu sinkenden Renten führen, vor allem bei jenen Kassen, die keine grossen Reserven hätten.

Ebenfalls im Umlauf ist ein Vorschlag des Pensionskassenverbands Asip. Dieser will den Umwandlungssatzes sogar auf 5,8 Prozent senken und das Alterssparen ebenfalls um 5 Jahre vorverlegen. Der Koordinationsabzug soll leicht gesenkt und der Anstieg der Altersgutschriften etwas abgeflacht werden. Einer Übergangsgeneration von 10 Jahren sollen die Altersguthaben erhöht werden, um die Renteneinbussen zu mildern.

mk

(AWP)