Weko vermutet Kartellverstoss beim Abgasreinigungsmittel Adblue

(Meldung durchgehend ergänzt) - Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) vermutet einen Verstoss gegen das Kartellgesetz beim Abgasreinigungsmittel Adblue, das bei Dieselmotoren eingesetzt wird. Die Weko hat deshalb eine Untersuchung gegen zwei Firmen eröffnet, die Adblue in der Schweiz vertreiben.
23.11.2017 15:40

Es bestünden Anhaltspunkte, dass die Bucher AG Langenthal und die Brenntag Schweizerhall AG beim Vertrieb von Adblue die Kunden unter sich aufgeteilt hätten, teilte die Weko am Donnerstag in einem Communiqué mit. Dies wäre ein Verstoss gegen das Kartellgesetz.

In einer Untersuchung wollen die Wettbewerbshüter nun prüfen, ob der Mineralöl- und Schmierstoffhändler Bucher Motorex und der weltgrösste Chemikaliengrosshändler Brenntag hierzulande verbotenerweise Absprachen getroffen haben.

Beide seien bedeutende Player beim Vertrieb von Adblue in der Schweiz, sagte Weko-Vize-Direktor Patrik Ducrey auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Markt wachse, weil die neuesten Dieselmotoren in Autos und Lastwagen Adblue zur Abgasreinigung einsetzen würden. Kunden der beiden Firmen seien unter anderem Tankstellenbetreiber und grosse Transportunternehmen, die Adblue für ihre Camions bräuchten.

KEIN ZUSAMMENHANG MIT DIESELSKANDAL

Die Untersuchung der Weko habe aber keinen Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal, sagte Ducrey. Adblue steht im Zentrum des Abgas-Skandals: Weil Autohersteller wie VW zu kleine Adblue-Tanks in ihre Autos eingebaut haben, haben sie eine Betrugssoftware erfunden, um den Verbrauch zu senken.

Mit der Betrugssoftware halten die Dieselautos zwar auf dem Prüfstand die Schadstoffgrenzwerte ein, weil dort genügend Adblue eingespritzt wird. Im Alltag regelt die Software indes den Adblue-Konsum herunter, womit die Fahrzeuge ein Vielfaches an Stickoxid ausstossen. VW hat wegen des Skandals Milliardenbussen in den USA kassiert.

Adblue besteht zu einem Drittel aus Harnstoff und zu zwei Dritteln aus destilliertem Wasser. Es zersetzt rund 90 Prozent der schädlichen Stickoxide zu Wasser und Stickstoff.

Aber nicht nur Dieselautos machten Schlagzeilen, sondern auch Diesellastwagen. In der Schweiz wurden bereits Dutzende ausländische Camions erwischt, die mit illegalen Geräten zur Adblue-Manipulation unterwegs waren.

(AWP)