Weltluftverkehr kommt bei Klimazielen nicht voran

Der Weltluftverkehr droht laut einer aktuellen Studie seine selbst gesetzten Klimaziele zu verfehlen. Wie die Umweltorganisation Atmosfair auf dem Weltklimagipfel in Bonn betonte, geht die Flottenerneuerung durch sparsame Jets bei wachsendem Verkehr nur schleppend voran.
12.11.2017 09:16

Weltweit stiegen die CO2-Emissionen der Airlines um gut vier Prozent, die Flugkilometer um knapp sieben Prozent. Bei der Vorstellung des Atmosfair-Klimaindex 2017 warnte Geschäftsführer Dietrich Brockhagen am Samstag: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Luftverkehr weltweit nicht auf Zielkurs ist."

International gehöre nur eine von 100 Maschinen zur Klasse der hocheffizienten Flugzeuge. Verglichen mit diesen setzten selbst die besten Airline-Flotten im Mittel 20 Prozent mehr CO2 pro geflogenem Kilometer frei.

Tui Airways an der Spitze

Von den 50 klimaeffizientesten Airlines der Welt kommen laut Studie 16 aus Europa und 10 aus China. Zwei Fluggesellschaften des Tui-Reisekonzerns aus Hannover und die chinesische China West Air sind demnach die saubersten Airlines weltweit.

Die Chinesen, die die Liste im Vorjahr noch anführten, wurden von der britischen Tui Airways (früher: Thomson Airways) verdrängt. China West Air liegt jetzt auf Platz zwei - vor der Tuifly aus Hannover auf Platz drei. Tuifly belegt seit dem Index-Start stets einen der vordersten Ränge.

Tui Airways gilt der Auswertung nach als beste Charter-Gesellschaft weltweit: Sie hat in der Gesamtwertung die geringsten CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer. Mit der Condor auf dem neunten Platz schaffte es ein weiterer deutscher Ferienflieger in die Top 10 der Gesamtwertung.

Charter- vor Liniengesellschaften

Zu den Kriterien für die Index-Beurteilung der Klimafreundlichkeit der gut 200 weltgrössten Fluggesellschaften gehört unter anderem die Zahl der bei einem Flug transportierten Passagiere. Der Grund: Flugzeuge mit enger Bestuhlung belasten die Umwelt mit deutlich weniger CO2 pro Passagier als Flieger mit viel Beinfreiheit.

Zudem zahlte sich der Einsatz moderner Maschinen mit weniger Emissionen aus. Flugzeuge wie die Boeing 787-9 und der Airbus A350-900 erzielen laut der Studie auch auf der Langstrecke Werte von weniger als 3,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer.

Anders als Charter-Fluggesellschaften wie die Tuifly, die in der Regel voll ausgebucht unterwegs sind, kommen viele der internationalen grossen Liniengesellschaften auf deutlich schlechtere Bewertungen. Bei den Linienflügen ist dank moderner Flotte und hoher Auslastung die chilenisch-brasilianische Latam (Platz 11) führend.

(AWP)