Weltwirtschaft - China öffnet Finanzbranche - Goldgräber bleiben aber fern

China will Ausländern im Land grössere Banken-Beteiligungen erlauben. Wenige Banken aber interessieren sich stärker für den Markt: Zu den Mutigen gehören allerdings die UBS und die Credit Suisse.
19.11.2017 18:20
Die Skyline von Shanghai, einer von Chinas Finanzmetropolen.
Die Skyline von Shanghai, einer von Chinas Finanzmetropolen.
Bild: Pixabay

China hat die Finanzwelt gerade überrascht. Die bislang sorgsam geschützte Bankenbranche soll deutlich stärker für ausländische Investoren geöffnet werden. Einige Banker dachten sogleich, dass ihre seit langem gehegten Hoffnungen, einen besseren Zugang auf dem weltgrössten Finanzmarkt zu bekommen, jetzt Realität werden könnten.

Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. Die Wahrscheinlichkeit spricht Experten zufolge eher dafür, dass nur ganz wenige jetzt vorpreschen. Die Restriktionen bei der maximalen Höhe von Beteiligungen zu lockern, sei nur ein Teil, sagt ein Anwalt aus Peking, der chinesische Banken und die dortigen Aufsichtsbehörden gut kennt. "Die grössere Sorge ist aber, ob die Ausländer wirklich faire Wettbewerbsbedingungen bekommen."

In der Theorie können ausländische Banken jetzt grössere Beteiligungen bei ihren chinesischen Partnern eingehen, für die bisher eine Obergrenze von 20 Prozent galt. Investmentbanken dürfen bei Joint Ventures im Wertpapiergeschäft sogar die Kontrolle erlangen. Insider sagen jedoch, dass sich zunächst nicht viel ändern werde. Sie verweisen auf die Stärke der etablierten lokalen Firmen und die undurchsichtige Regulierung in dem Riesenreich, das einheimische Anbieter bevorzugt.

UBS und CS mischen mit

Vor der weltweiten Finanzkrise von 2008 herrschte so etwas wie Goldgräberstimmung. Zahlreiche westliche Banken engagierten sich in der Volksrepublik - in der Hoffnung auf dicke Gewinne. Mit der Finanzkrise und den danach deutlich verschärften Kapitalvorschriften hätten sich viele wieder aus China zurückgezogen, um sich auf den Heimatmarkt zu konzentrieren und oft auch die eigene Bilanz in Ordnung zu bringen, erklärt Paul McSheaffrey, Banken-Experte bei der Wirtschaftsberatung KPMG.

Vor zehn Jahren hatten nach Daten von KPMG ausländische Geldhäuser in China einen Marktanteil von 2,4 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 1,4 Prozent des mit der Gesamtwirtschaft deutlich gewachsenen Banken-Marktes, dessen Geschäftsvolumen sich umgerechnet auf mehr als 23 Billionen Euro summiert. Dominiert wird der Markt immer noch von fünf staatlichen Instituten, die sich untereinander selbst scharfe Konkurrenz machen. Von den westlichen Platzhirschen ist die britische HSBC eine der wenigen, die noch stark engagiert ist. Das traditionell auf Asien ausgerichtete Geldhaus ist weiterhin mit einer 19-Prozent-Beteiligung an der Bank of Communications präsent.

Fokus Wertpapiergeschäft

Potenzial sehen Experten im Wertpapierbereich durch Joint Ventures von grossen internationalen Banken mit lokalen Partnern. Die kommunistische Regierung erlaubt Ausländern hier künftig auch Mehrheitsbeteiligungen von 51 Prozent - statt der bislang zugestandenen 49 Prozent. Und auch die neue Grenze dürfte in drei Jahren gänzlich aufgehoben werden. In dem Bereich, zu dem der Handel sowie die Platzierung von Aktien und Anleihen gehört, mischen unter anderem die US-Bank Citigroup sowie die Schweizer Häuser Credit Suisse und UBS mit.

Allerdings ist mit solchen Gemeinschaftsunternehmen offenbar kaum etwas zu verdienen. Keines der Joint Ventures von ausländischen Banken schafft es gemessen am Gewinn in die Top 70. Das Joint Venture von UBS landet auf Rang 85 - mit einem mageren Gewinn von 14 Millionen Dollar in China. Der grösste lokale Anbieter spielt 1,5 Milliarden Dollar ein. UBS will trotzdem sein Engagement in dem Joint Venture ausbauen. "China ist ein Schlüsselmarkt für UBS", sagt Manager Eugene Qian.

Auch die amerikanische Konkurrenz ist nicht erfolgreicher. US-Marktführer JP Morgan kam vergangenes Jahr im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking weltweit auf einen Gewinn von fast elf Milliarden Dollar. Mit dem Joint Venture in China waren es nur acht Millionen Dollar, die zudem noch mit dem lokalen Partner geteilt werden mussten. JP Morgan zog sich im Dezember aus dem Engagement zurück. Es soll aber kein Abschied für immer sein. Die Amerikaner sind Insidern zufolge bereits in Verhandlungen, ein neues Gemeinschaftsunternehmen aufzusetzen - womöglich auch wegen der neuen Offenheit in China.

(Reuters)