Weniger Geld für Medizin-Forschung - Kardiologen warnen vor Trump-Sparplänen

Die geplanten Einschnitte von US-Präsident Donald Trump bei der US-Forschungsbehörde National Institutes of Health bringen Top-Kardiologen und Forscher auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen auf die Barrikaden.
02.04.2017 03:05
US-Präsident Donald Trump will das Budget bei der Medizinforschung senken.
US-Präsident Donald Trump will das Budget bei der Medizinforschung senken.

Die vorgeschlagenen Budgetkürzungen von 20 Prozent könnten nach ihrer Einschätzung zu einem Erlahmen der Forschung auf diesem Feld führen. Da sich die Pharmabranche immer mehr auf für sie lukrativere Gebiete wie Krebs konzentriert, hat sie immer weniger Herzmedikamente in ihren Pipelines.

Für die Kardiologie sei daher eine von der NIH finanzierte Forschung wichtiger denn je, mahnten Ärzte kürzlich auf dem US-Kardiologenkongress ACC und bezeichneten die Pläne als Katastrophe. "Es gibt Studien, die wir machen müssen, die niemals von den Pharmakonzernen finanziert werden würden. Wir sind auf das NIH angewiesen", sagt etwa die Kardiologin Leslie Cho von der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio.

Trotz wichtigen medizinischen Forschritten, die Patienten zu einem längerem, gesünderem Leben verhalfen, sind Herz-Erkrankungen weltweit immer noch die Todesursache Nummer eins. Trump will das Budget der NIH - das weltgrösste biomedizinische Forschungsinstitut - um 5,8 Milliarden Dollar senken. Mit jährlichen Forschungsausgaben von rund 32,3 Milliarden Dollar ist sie die derzeit weltgrösste Quelle zur Finanzierung medizinischer Forschung.

Nobelpreisträger, die die weltweit erfolgreichsten Herzmedikamente entdeckten, wurden von den NIH unterstützt. Dazu zählen etwa die US-Genetiker Michael Brown und Joseph Goldstein, deren Entdeckungen zur Entwicklung von Statinen führten, wie etwa der Pfizer-Blockbuster Lipitor - ein Cholesterinsenker, der Herzinfarkten vorbeugt.

Kongress könnte Trump dazwischenfunken

"Wie viele Millionen von Herzinfarkten und Leben haben sich dadurch verändert. Wenn Sie die Browns und Goldsteins dieser Welt nicht finanzieren, woher werden dann die nächsten Entdeckungen kommen?", fragt der Chef-Kardiologe der Cleveland Clinic, Steven Nissen. Andrew Kates, der die Kardiologen-Facharztausbildung an der Washington University in St. Louis leitet, zeigt sich besorgt: "Ich kenne die Schwierigkeiten, denen unsere Ärzte auf der Suche nach Stipendien gegenüberstehen und das sind alles von den NIH finanzierte Zuschüsse. Die Pipeline, die wir für zukünftige Forscher benötigen, ist erheblich gefährdet."

Der Kongress könnte allerdings die Pläne Trumps durchkreuzen und die geplanten Einschnitte ablehnen. Bei ihm sei das NIH neben Verteidigung und Veteranen eines der beliebtesten Programme, sagt Analyst Rob Smith vom Analysehaus Capital Alpha Partners. Es ist allerdings nicht absehbar, ob und wie weit sich der von der Republikanern kontrollierte Kongress in diesem Fall gegen Trump stellen wird.

Die Präsidentin des US-Kardiologenkongress ACC, Mary Walsh, rief deshalb zu erbittertem Widerstand gegen die Sparpläne auf. "Ich bin etwas besorgt darüber, dass es bislang noch keinen Aufschrei darüber gegeben hat, dass die NIH Ziel so grosser Kürzungen ist. Das ist eine Mine, die darauf wartet, zu explodieren", sagt der frühere Präsident des amerikanischen Herzverbandes, Clyde Yancy. "Labore werden geschlossen, Personal entlassen werden. Ideen werden unvollständig und Vorschläge unangetrieben bleiben. Wir können es uns einfach nicht leisten, das Tempo der wissenschaftlichen Entdeckung so zu verlangsamen."

(Reuters)