Hügli meint

Wer hat Angst vor den Chinesen?

Es regt sich Widerstand gegen die Übernahme von Schweizer Firmen durch Investoren aus dem kommunistischen China. Wer so denkt, der soll bitte konsequent sein.
01.02.2016 00:01
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefedaktor cash.
Daniel Hügli, Chefedaktor cash.
Bild: Geri Born

Das Thema China ist seit Wochen das Thema Nummer eins an den Märkten und in der Weltwirtschaft. Es geht nicht bloss um die Wachstumsverlangsamung der chinesischen Wirtschaft. In der Schweiz mehren sich Bedenken und Ängste wegen einer Invasion Chinas in die Schweizer Wirtschaft.

Ausformuliert hat dies vor einigen Wochen die "Basler Zeitung". Sie malte angesichts einer wahrscheinlichen Übernahme des Agrochemiekonzerns Syngenta durch Chem China den roten Teufel an die Wand. China sei kein harmloser Staat, er werde von der Kommunistischen Partei beherrscht, schreibt die Zeitung. Sie stört sich daran, dass China in Europa Know-how einkaufe und die Kommunistische Partei somit noch mächtiger werde. "Will die Schweiz, dass eine hier ansässige Firma ins chinesische Imperium eingegliedert wird?", fragt die Zeitung besorgt.

Das ist eine kärgliche Frage. Zunächst: Übernahmen von Schweizer (und europäischen) Unternehmen durch chinesische Investoren gibt es seit Jahren. Und in der letzten Dekade haben sich gegen 100 chinesische Firmen in der Schweiz niedergelassen. Soweit nichts neues.

Wichtiger aber: Das globalisierte Handelsspiel beruht auf Gegenseitigkeit. Hunderte von Schweizer Firmen suchen ihr Glück in China. Sie wollen teilhaben am riesigen Wachstum und an den Profiten, welche die zweigrösste und in ein paar Jahren die grösste Volkswirtschaft der Welt hervorbringt. Swatch zum Beispiel erwirtschaftet bereits 40 Prozent des Umsatzes mit China. Hat sich Herr Hayek irgendwann mal mit schlechtem Gewissen die Kommunismus-Frage gestellt?

Schweizer Unternehmen beteiligen sich, so gut es die Regeln vor Ort erlauben, an chinesischen Firmen. Seit Juli 2014 besteht zudem ein Freihandelsabkommen zwischen China und der Schweiz. Eine Position, um welche die Schweiz in westlichen Industrienationen beneidet wird. 

Die unterschwellige ideologische Denkweise "Hier der gute industrialisierte demokratische Westen, dort das aufstrebende, aber böse Unrechtsregime" erhält in einer globalisierten Wirtschaftswelt arge Risse. Nicht nur China greift ja mit geballter Macht nach Know-how und Finanzbeteiligungen gerade in Europa. Auch Länder aus dem Nahen Osten, die Demokratie und Menschenrechte nun gewiss nicht mit oberster Priorität behandeln, kaufen sich massenhaft Beteiligungen an westlichen Airlines, Hotelgruppen, Banken, Versicherungen zusammen. Eigenartig dabei: Wenn es der hiesigen Staatskasse nützt, bleiben die Ideologen stumm. Oder hat jemand aufgeheult, als Investoren aus Katar und Saudi-Arabien die Credit Suisse in der Finanzkrise vor dem Untergang retteten?

Wer sich ideologisch daran stört, dass repressive Länder Schweizer Firmen aufkaufen oder diese ganz übernehmen, der muss konsequenterweise dasselbe auch für Schweizer Firmen verlangen, welche in diesen Ländern Profite machen und Beteiligungen eingehen. Das hiesse im Fall China: Keine Schweizer Joint Ventures oder Niederlassungen mehr von Schweizer Firmen im kommunistischen China. Anders zu argumentieren ist heuchlerisch.