Wer wird neuer Chef bei den Tories?

Nach dem angekündigten Rücktritt von Premierminister und Tory-Chef David Cameron haben die britischen Konservativen die Suche nach einem neuen Parteichef in Gang gesetzt.
02.07.2016 17:20
In Grossbritnnien ist nach dem Brexit-Entscheid einiges in Bewegung geraten.
In Grossbritnnien ist nach dem Brexit-Entscheid einiges in Bewegung geraten.

Fünf Kandidaten warfen bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist am Donnerstag ihren Hut in den Ring. Sie werden sich jetzt in mehreren Wahlen den konservativen Abgeordneten stellen, wobei jeweils derjenige mit den wenigsten Stimmen aus dem Bewerberfeld ausscheidet. Am Dienstag stellen sich die Kandidaten erstmals den Abgeordneten. Weitere Wahlgänge folgen am Donnerstag und am 12. Juli.

Die dann übrig gebliebenen zwei Kandidaten werden sich einer Urabstimmung unter den 150'000 Parteimitgliedern stellen. Der Sieger soll am 9. September bekanntgegeben werden. Es gilt als ausgemacht, dass er auch neuer Hausherr in Downing Street 10 wird - dem traditionellen Wohnsitz des Premierminister.

Ursprünglich galt der Brexit-Befürworter und frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson als Favorit für die Nachfolge Camerons. Am Donnerstag, kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist, erklärte Johnson allerdings überraschend, dass er auf eine Kandidatur verzichtet.

THERESA MAY

Die Innenministerin hat nach den Quoten der Buchmacher die besten Chancen, Nachfolgerin von Cameron zu werden. Dabei trat die 59-Jährige für den Verbleib in der EU ein. Die Tochter eines Vikars der Anglikanischen Kirche startete ihre Karriere nach einem Oxford-Studium an der Bank of England. 1997 wurde sie ins Parlament gewählt. Fünf Jahre später stieg sie zur ersten Vorsitzenden der Tories auf, nachdem sie sich um die Reform der Partei verdient gemacht hatte. Annerkennung erwarb sie sich auch mit der Leitung des Innenministeriums seit nun sechs Jahren - seit Hundert Jahren ist sie damit die am längsten an einem Stück amtierende Innenministerin in dem als schwierig geltenden Ressort. May versuchte sich als Brückenbauerin zwischen Gegnern und Anhängern des Brexit zu positionieren. Das Ergebnis des Referendums will sie nicht anfechten: "Brexit bedeutet Brexit", sagte sie am Donnerstag unmissverständlich. Es dürfe keine Versuche geben, doch noch in der EU zu bleiben. Auch ein zweites Referendum dürfe es nicht geben.

MICHAEL GOVE

Der in Schottland groß gewordene Justizminister arbeitete nach seinem Studium in Oxford als Journalist für die BBC und die Zeitung "Times", wo er es zum stellvertretenden Herausgeber brachte. Zudem war der 48-Jährige Vorsitzender der Denkschmiede Policy Exchange, bevor er 2005 Parlamentsmitglied wurde. Neben Johnson war er eine der führenden Figuren der Brexit-Kampagne. Am Donnerstag bescheinigte er Johnson, nicht die Eigenschaften für das Amt des Premierministers zu haben und trug damit maßgeblich zum Rückzug des Brexit-Gewinners bei. "Die Briten haben (...) für den Wechsel gestimmt", erklärte er in einem Namensbeitrag für den "Spectator". Damit gebe es die klare Anweisung, die EU zu verlassen und die Vorherrschaft des EU-Rechts zu beenden.

STEPHEN CRABB

Der 43 Jahre alter Waliser stammt aus einfachen sozialen Verhältnisse. Aufgewachsen ist er bei seiner alleinerziehenden Mutter in einer Sozialwohnung. Sein Studium finanzierte er durch einen Job als Bauarbeiter. Er arbeitete im Vertrieb, bevor er 2005 ins Parlament gewählt wurde. Crabb trat zwar für den Verbleib Großbritanniens in der EU ein, akzeptiert aber den Ausgang des Referendums: "Das britische Volk will die Einwanderung unter Kontrolle bringen (...) Für uns ist das eine rote Linie", erklärte er. Es komme jetzt bei den Verhandlungen mit der EU darauf an, den Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt zu erhalten.

LIAM FOX

Der studierte Mediziner ist in Schottland aufgewachsen und wechselte 1992 von seiner Tätigkeit als Militär-Arzt ins Parlament. Der 54-Jährige gehört dem rechten Flügel der Tories an und zählt zu den Brexit-Befürwortern. Seine politische Karriere erhielt 2011 einen Knick, als er nach nur einjähriger Amtszeit als Verteidigungsminister zurücktrat. Ihm wurden enge Kontakte zu einen Geschäftsmann vorgeworfen, der sich als sein Berater ausgab. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für uns einen Platz im gemeinsamen Markt gibt, wenn das mit unbeschränkten Reisemöglichkeiten verbunden ist", bekannte er bei seiner Bewerbungsrede mit Blick auf die EU.

ANDREA LEADSOM

Die Energieministerin und Brexit-Befürworterin arbeitete nach ihrem Studium der politischen Wissenschaften an der Warwick Universität 25 Jahre lang im Bankensektor. Die 53-Jährige war unter anderem für Barclays und als Fondsmanagerin für Invesco Perpetual tätig. 1995 half sie dem Chef der Bank of England, Eddie George, bei der Abwehr der Folgen des Kollapses der Barings Bank. 2010 wurde sie Abgeordnete und arbeitete zunächst in gehobener Stellung im Finanzministerium. "Ich sehe große Chancen durch den Ausgang des Referendums", twitterte Leadsom. Großbritannien könne viel besser in der Welt dastehen.

(Reuters)