Wie China Donald Trump in die Parade fahren könnte

Donald Trump hat China mit seiner Taiwan-Politik aufs äusserste gereizt. Peking könnte versuchen, sich am künftigen US-Präsidenten zu rächen. Verschiedene Mittel sind möglich.
17.12.2016 19:02
Taiwan könnte zum Zankapfel zwischen China und den USA werden: Die taiwanesische Metropole Kaohsiung.
Taiwan könnte zum Zankapfel zwischen China und den USA werden: Die taiwanesische Metropole Kaohsiung.
Bild: Pixabay

Der künftige US-Präsident Donald Trump sorgt in China für Verärgerung. Er kritisiert den Umgang mit dem Wechselkurs der Landeswährung Yuan, das Vorgehen der Volksrepublik im Südchinesischen Meer und die Beziehungen zum ebenfalls kommunistischen Nordkorea.

Vor allem aber stellt Trump im Streit über den Status von Taiwan die Ein-China-Strategie seines Landes infrage. Für die Staatsführung in Peking handelt es sich um eines der heikelsten Themen überhaupt. Sie betrachtet Taiwan bis heute als abtrünnige Provinz. So könnte China auf Trump reagieren:

Diplomatische Beziehungen

Sollte Trump Taiwan formal anerkennen, dürfte China seine eigenen diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten infrage stellen. Die Volksrepublik lehnt bislang diplomatische Beziehungen zu allen Ländern ab, die eben solche zu Taiwan haben.

Kriegsspiele bei Taiwan

China könnte militärisch gegen Taiwan vorgehen - etwa den Luftraum versperren oder Schiffsrouten zu der ostasiatischen Insel blockieren. Staatsmedien legten bereits nahe, das Taiwan-Problem ein für allemal durch den Einsatz von Militär zu lösen.

Härte im Südchinesischen Meer

China ärgert sich über US-Patrouillen im Südchinesischen Meer, wo es Gebietsansprüche hegt und künstliche Inseln anlegt. Bislang hat es darauf mit verbalen Protesten reagiert, aber auch eigene Manöver abgehalten. Bereits 2001 wurde ein US-Spionageflugzeug zur Landung in China gezwungen, nachdem es im Südchinesischen Meer mit einem chinesischen Kampfflieger kollidierte.

Sanktionen

2010 war die Führung in Peking ausser sich, als die US-Regierung Pläne für neue Waffenverkäufe nach Taiwan veröffentlichte. Sie drohte damit, daran beteiligte US-Unternehmen mit Sanktionen zu belegen. Umgesetzt wurden sie nicht, könnten aber erneut als Druckmittel dienen.

Verkauf von US-Staatsanleihen

China ist der grösste Gläubiger der Vereinigten Staaten. Im September hielt das Land US-Staatsanleihen im Wert von 1,16 Billionen Dollar. Entscheidet Peking, einen grossen Teil zu verkaufen, könnte das den US-Anleihenmarkt durcheinanderwirbeln. Allerdings könnten so auch die globalen Finanzmärkte in Turbulenzen gestürzt werden, was wiederum Exportweltmeister China schaden dürfte.

Nordkorea von der Leine lassen

Die Vereinigten Staaten drängen China immer wieder, Druck auf das benachbarte und mit Atomwaffen ausgestattete Nordkorea auszuüben. Um seine Verärgerung über Washington Ausdruck zu verleihen, könnten die Chinesen die wegen der nordkoreanischen Atomwaffentests verhängten Sanktionen lockern.

Druck auf US-Firmen

Über staatseigene Medien und Verbraucherorganisationen kann China Stimmung gegen die im Land tätigen US-Konzerne machen. In der Vergangenheit wurden beispielsweise Apple und das Mutterunternehmen der Fastfoodkette KFC, Yum Brands, zur Zielscheibe von Boykottaufrufen. Auch könnten höhere Zölle drohen, etwa für Flugzeuge. US-Unternehmen könnte überdies mit bürokratischen Hürden das Leben schwerer gemacht werden.

Anderswo Lebensmittel kaufen

China führte 2015 rund 48 Millionen Tonnen an landwirtschaftlichen Produkten aus den USA ein - von Mais bis hin zu Sojabohnen. Die Volksrepublik könnte sich nach alternativen Lieferanten umsehen.

Investitionsabkommen verzögern

Beide Regierungen verhandeln über bilaterale Investitionsverträge. Eine Einigung steht auf der Wunschliste der US-Wirtschaft ganz oben. China könnte sie verschleppen und stattdessen die Gespräche mit Europa vorantreiben.

Cyber-Spionage verschärfen

Beide Länder haben sich 2015 zugesichert, Cyber-Spionage einzuschränken. Das hat Regierungsberatern und Sicherheitsexperten zufolge dazu beigetragen, dass Angriffe aus China zurückgegangen sind. Aus Verärgerung über Trump könnten sie aber wieder verschärft werden.

(Reuters)