Wie die deutsche Wirtschaft auf Trump reagiert

Nach dem Brexit-Votum droht der deutschen Wirtschaft der nächste Schock: Der offiziell zum Kandidaten der Republikaner ausgerufene Donald Trump könnte im November bei der US-Präsidentenwahl als Sieger hervorgehen.
23.07.2016 14:55
Deutschlands Wirtschaftsvertreten würden sich nicht auf Präsident Trump freuen.
Deutschlands Wirtschaftsvertreten würden sich nicht auf Präsident Trump freuen.
Bild: Pixabay

"Die wirtschaftspolitischen Pläne Trumps könnten der US-Konjunktur einen deutlichen Dämpfer versetzen", sagt BayernLB-Ökonomin Christiane von Berg.

Dass der Wahlkampf in den Chefetagen der deutschen Unternehmen genau verfolgt wird, liegt am besonderen Gewicht der Vereinigten Staaten. Das Land ist die grösste Volkswirtschaft und damit wichtigster Taktgeber für die Weltkonjunktur: Fast 16 Prozent der Wertschöpfung gehen auf das Konto der USA. Seit 2015 sind die Vereinigten Staaten überdies der grösste Abnehmer von Waren "Made in Germany": 114 Milliarden Euro setzten die deutschen Exporteure dort um, womit erstmals seit rund sechs Jahrzehnten Frankreich als Kunde Nummer eins abgelöst wurde. Umgekehrt werden Waren im Wert von 60 Milliarden Euro nach Deutschland importiert.

Deshalb verwundert es wenig, warum Trumps wirtschaftspolitische Pläne argwöhnisch beäugt werden. Der milliardenschwere Immobilienmagnat will beispielsweise das von den Unternehmerverbänden herbeigesehnte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) platzen lassen, das Handelshürden abbauen und den Warenaustausch zusätzlich fördern soll. Überdies möchte Trump die eigene Wirtschaft vor allem gegenüber China abschirmen, etwa durch Schutzzölle. Fachleute fürchten dann einen Handelskrieg. "Mehr Protektionismus und Abschottung wäre schlecht für die deutsche, aber auch die amerikanische Exportindustrie", warnt der Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Oliver Zander. "Die deutsche Wirtschaft ist auf die guten transatlantischen Handelsbeziehungen angewiesen."

Die Maschinen- und Anlagenbauer sehen das ähnlich: "Mehr Protektionismus in Amerika ist das Letzte, was die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen brauchen", so der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Er fürchtet insbesondere negative Auswirkungen auf die laufenden TTIP-Verhandlungen. "TTIP-Gegner hierzulande müssten sich über Trump eigentlich freuen, denn ein nationalistischer und protektionistischer Präsident wird den Handel zwischen den USA und Europa eher einschränken als weiter ausbauen", sagt auch der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel. "Das hätte dann spürbare Folgen für die deutsche Wirtschaft mit ihren vielen Familienunternehmen."

Der Rating-Agentur Moody's zufolge dürften Trumps Pläne bis zu 3,5 Millionen Jobs kosten. 2019 und 2020 würde demnach das Bruttoinlandsprodukt der Wirtschaftsmacht schrumpfen.

Trump wird aber nicht alles umsetzen können

Die meisten Umfragen signalisieren derzeit zwar, dass Trumps Konkurrentin von den Demokraten - Hillary Clinton - dem aus den Amt scheidenden Parteifreund Barack Obama nachfolgen dürfte. Allerdings signalisierten die Umfragen auch, dass die Gegner eines EU-Abschieds in Grossbritannien die Nase vorn haben werden. Es kam bekanntlich anders. Die deutsche Wirtschaft hofft für den Fall eines Trump-Sieges darauf, dass es am Ende dann nicht so schlimm kommt wie befürchtet. "Auch ein möglicher US-Präsident Donald Trump, der ja aus der Wirtschaft kommt, ist an stabilen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu der stärksten Volkswirtschaft in Europa interessiert", betont Mittelstandspräsident Mario Ohoven.

Analysten wiederum setzen darauf, dass Trump seine Vorhaben nicht eins zu eins umsetzen kann. "Die politische Realität begrenzt das Risiko", sagt BayernLB-Ökonomin von Berg. "Denn die meisten Vorhaben brauchen eine Kongressmehrheit, die jedoch in vielen für Trump wichtigen Punkten wohl nicht zustande kommen wird."

(Reuters)