kommentar

Wie ernst ist es den Minder-Gegnern?

Von Novartis, UBS, CS über Actelion bis Clariant - die Firmenchefs setzen nirgendwo Zeichen gegen die Minder-Initiative. Mit Fettnäpfchen und fehlender Einsicht haben sie die Abstimmung schon fast entschieden.
18.02.2013 01:00
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Braucht es dermassen Überwindung für ein Zeichen des Goodwills? Oder für ein Signal, dass man ein Einsehen hat? Oder sind die Schweizer Top-Manager so "abgespacet", dass sie den Ernst der Lage tatsächlich verkennen?

Auf ein Zeichen wie etwa einen publikumswirksamen Bonusverzicht warteten die Gegner der Minder-Initiative in den letzten Wochen vergebens. Ein Zeichen, das dem Volksbegehren etwas Wind aus den Segeln genommen hätte. Stattdessen: Bonus und Gehaltserhöhungen as usual. Schlimmer noch: Die Manager lassen im Vorfeld der Abstimmung kein Fettnäpfchen aus.

Die Vorpensionsrente von Daniel Vasella, welche die Abstimmung wohl bereits entschieden hat, war bloss der Höhepunkt der letzten Wochen. Schon die UBS schockte die Öffentlichkeit unlängst mit der Unlogik "2,5 Milliarden Franken Boni trotz 2,5 Milliarden Verlust". Die Credit Suisse hatte nicht mal den Mut dazu, die Gehälter für 2012 zu veröffentlichen.

Actelion-Chef Jean-Paul-Clozel bezog 2012 ein Gehalt von 5,2 Millionen Franken. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz der Biotechfirma sank im letzten Jahr in lokalen Währungen dagegen um 2 Prozent.

Oder: Hariolf Kottmann bezog 2012 ein Gehalt von über 7 Millionen Franken. Damit spielt der Chef von Clariant - das Unternehmen ist nicht mal Mitglied des Swiss Market Index - bald in der Champions League der Schweizer Manager-Löhne. "Mein Lohn ist am oberen Ende dessen, was ich mir selber geben würde", säuselte Kottmann letzte Woche in einem Interview. Manchmal ist Schweigen tatsächlich Gold.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es auch anders ginge. Die britische Royal Bank of Scotland will einen Teil der Geldbusse für die Manipulation des Libor-Zinssatzs vom Bonus-Topf für ihre Investmentbanker abzwacken. Investmentbankchef John Hourican trat zurück und sagte: "Auch wenn die unerlaubten Aktivitäten anfingen, bevor ich den Job übernommen habe und mir nicht bekannt waren, trage ich eindeutig Mitverantwortung für Handlungen all unserer Mitarbeiter".

Antony Jenkins, der Chef der Grossbank Barclays, der erst seit August im Amt ist, verzichtet für 2012 auf einen Bonus - obwohl er nicht in den Libor-Skandal verwickelt ist.

In Grossbritannien wurden Zeichen gesetzt. Es ist nicht überliefert, dass dort eine Minder-Abstimmung bevorsteht.