WikiLeaks-Gründer kündigt Enthüllungen vor US-Wahl an

Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, will noch vor der US-Wahl am 8. November neue brisante Dokumente veröffentlichen.
08.10.2016 18:55
Hillary Clinton macht sich Sorgen wegen Enthüllungen vor dem Wahltag.
Hillary Clinton macht sich Sorgen wegen Enthüllungen vor dem Wahltag.
Bild: Bloomberg

Diese würden "signifikant" für den Wahlkampf sein, sagte Assange am Dienstag anlässlich einer Veranstaltung in Berlin zum zehnjährigen Bestehen des Enthüllungsportals, zu der er per Video aus London zugeschaltet war. Assange wies Annahmen zurück, dass es ihm darum gehe, mit der Freigabe der Dokumente speziell der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton zu schaden, und dass er sie nicht möge.

Dies sei falsch, er sei hier unlängst falsch zitiert worden. Allerdings warf Assange Clinton vor, die Arbeit der Gruppe zu dämonisieren. WikiLeaks hatte im Sommer Zehntausende E-Mails führender US-Demokraten veröffentlicht und war dafür von Clinton kritisiert worden.

«October surprise»

Insgesamt lägen WikiLeaks rund eine Million Dokumente vor, die noch dieses Jahr veröffentlicht werden sollten und die "ganz entscheidenden Einfluss auf aktuelle Geschehnisse haben", sagte Assange. Die Dokumente würden Einfluss auf drei mächtige Organisationen in verschiedenen Ländern haben und den US-Wahlkampf betreffen. In den nächsten zehn Wochen würden jede Woche neue Dokumente veröffentlicht.

In Medien wird seit Wochen über eine Enthüllung im letzten Abschnitt des US-Wahlkampfs diskutiert, die Clinton schweren Schaden zufügen könnte. Da in den USA immer Anfang November gewählt wird, werden derartige Ereignisse in der amerikanischen Politik als "October surprise" bezeichnet.

Assange wurde weltweit bekannt, als die Enthüllungsplattform etliche Geheimunterlagen der US-Streitkräfte und Mitteilungen amerikanischer Diplomaten veröffentlichte. Der Australier lebt seit 2012 in der Botschaft Ecuadors in London. Gegen ihn wird in Schweden wegen Vergewaltigung ermittelt, weswegen das Land einen europäischen Haftbefehl ausgestellt hat. Assange weist die Vorwürfe zurück. Bei der von Schweden gewünschten Auslieferung handelt es sich nach seiner Darstellung um einen Trick, um ihn letztlich in die USA zu bringen.

Assange spricht von Repressalien

Assange signalisierte in seiner Rede Änderungen bei der Organisation und der Finanzierung von WikiLeaks. Auch werde nach mehr Journalisten gesucht, die bei der Auswertung der Papiere behilflich seien. Wichtig sei ihm, die Unabhängigkeit von WikiLeaks zu erhalten. Zugleich betonte er, die bislang in zehn Jahren veröffentlichten zehn Millionen Dokumente seien erst der Beginn.

Die Veröffentlichung werde auch dann vorangetrieben, falls er seine Arbeit nicht weiterführen könne. Seine Gruppe sehe sich immer wieder Repressalien ausgesetzt. "Der Druck, der auf uns ausgeübt wird, ist ganz gewaltig", beklagte Assange.

(Reuters)