«Wir wollen eigenständig bleiben»

Vegetarischen Restaurants gehört die Zukunft, sagt Rolf Hiltl im Video-Interview mit cash. Und er erklärt, warum die Börse kein Thema ist - weder für ihn noch für das Unternehmen.
26.03.2015 12:01
Von Ivo Ruch
Rolf Hiltl ist Inhaber und Geschäftsführer der Hiltl AG.
Bild: cash

Ein Haus mit Geschichte, das ist Hiltl ganz bestimmt. Seit mehr als 100 Jahren gibt es im Zürcher Kreis 1 das vegetarische Restaurant, mittlerweile ist es weltweit das älteste dieser Art. "Unsere spezielle Geschichte ist mitentscheidend für den Erfolg", sagt Inhaber und Geschäftsführer Rolf Hiltl im Video-Interview mit cash. Er führt das Unternehmen, das von seinem Urgrossvater gegründet wurde, seit 1998.

"Innovation war aber auch immer wichtig. Bereits meine Vorfahren haben stets alles hinterfragt", so der gelernte Koch. Die Ernährungstrends dürften Hiltl auch in Zukunft in die Karten spielen. Immer mehr Leute in Industrienationen ernähren sich fleischlos, ja sogar vegan. Laut aktuellen Zahlen von swissveg.ch essen zwar nur 2,2 Prozent der Schweizer Bevölkerung konsequent kein Fleisch. Aber es ist ein klarer Trend hin zu sogenannten "Flexitariern" feststellbar. Leute also, die nur sparsam Fleisch konsumieren. Ihr Anteil liegt in der Schweiz bei gegen 20 Prozent.

Ein heisses Investorenthema

Für Rolf Hiltl ist diese Entwicklung erstaunlich. "Zu Zeiten meiner Grosseltern galt das Hiltl als Wurzelbunker und die Gäste betraten das Haus durch den Hintereingang, um nicht gesehen zu werden." Der Verzicht auf tierische Produkte werde noch zunehmen, meint er. "Zumindest in aufgeklärten Gesellschaften im Westen."

In den USA ist dieser Umbruch, der auch die Lebensmittelbranche umtreibt, bereits ein heisses Investorenthema. Allein in den ersten drei Quartalen 2014 haben private Investoren 112 Millionen Dollar in Venture-Capital-Projekte innerhalb der Lebensmittelbranche platziert. In der Schweiz sind kotierte Lebensmittel-Unternehmen wie Hochdorf oder Evolva in diesem Bereich tätig.

Mit tibits an die Börse?

Für das Familienunternehmen Hiltl war ein Börsengang nie eine Option, wie Rolf Hiltl sagt. "Wir sind sehr eigenständig und wollen selbst steuern." Anders sieht es bei Hiltls zweitem Engagement aus. Er ist zu 50 Prozent an der tibits AG beteiligt. Die vegetarischen Selbstbedienungsrestaurants gibt sechs Mal in der Schweiz und einmal in London. "Falls tibits noch sehr stark wächst, könnte ein Börsengang in Zukunft ein Thema werden." In Bälde möchte tibits eine zweite Londoner Filiale eröffnen.

Persönlich ist Rolf Hiltl nicht an der Börse aktiv. Vor ein paar Jahren hat er sich entschieden, in die eigenen Gastronomie-Projekte zu investieren. Was sich aber laut seinen Angaben bisher gelohnt hat: "Wir profitieren von aktuellen Trends."

Im Video-Interview sagt Rolf Hiltl zudem, ob sich seine Kinder für eine mögliche Nachfolge im Familienunternehmen interessieren.