Wirtschaft global - IWF erhöht Wachstumsprognosen und warnt vor Nachlässigkeit

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat angesichts der verbesserten Aussichten in den grössten Volkswirtschaften der Welt seine globalen Wachstumsprognosen erhöht.
15.10.2017 08:11
Christine Lagarde, IWF-Präsidentin.
Christine Lagarde, IWF-Präsidentin.
Bild: Bloomberg

Gleichzeitig jedoch hat der IWF die Verantwortlichen ermahnt, sich nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Die in Washington ansässige Organisation hob ihre Schätzungen für die Konjunkturentwicklung in den USA, im Euroraum, Japan und China gegenüber den Prognosen im Juli an. Die Erholung umfasst demnach ungefähr 75 Prozent des globalen Outputs.

Für die Weltwirtschaft sagt der IWF im laufenden Jahr ein Wachstum um 3,6 Prozent und im kommenden Jahr um 3,7 Prozent voraus. Damit wurden die Schätzungen gegenüber der Juli-Prognose um jeweils 0,1 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Von Bloomberg befragte Analysten rechnen für 2017 mit einem Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,4 Prozent und für 2018 um 3,5 Prozent.

Auf jeden Fall schaltet die Erholung der Weltwirtschaft einen Gang hoch, nachdem im vergangenen Jahr mit 3,2 Prozent die niedrigste Wachstumsrate seit der Grossen Rezession 2007-2009 verzeichnet worden war. Der Währungsfonds warnte jedoch, dass die Risiken mittelfristig abwärtsgerichtet seien, und verwies auf Gefahren durch eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, niedrige Inflationsraten in Industriestaaten, Finanzturbulenzen an Schwellenmärkten und protektionistische Massnahmen.

"Weder die Politikverantwortlichen noch die Märkte sollten sich in Selbstzufriedenheit wiegen", sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld in vergangene Woche veröffentlichten Bericht zum Weltwirtschaftsausblick (World Economic Outlook). "Ein genauerer Blick legt nahe, dass die globale Erholung womöglich nicht nachhaltig ist - nicht alle Staaten haben daran teil, die Inflation bei schwachem Lohnwachstum bleibt oft unter dem Zielwert und die mittelfristigen Aussichten enttäuschen in vielen Teilen der Erde noch immer."

Bessere Aussichten

Die Finanzminister und Notenbanker der 189 IWF-Mitgliedstaaten dürften die aufgehellten globalen Aussichten ermutigend finden, während sie sich diese Woche zur Jahrestagung des Währungsfonds in Washington treffen. In einer Rede sagte IWF-Chefin Christine Lagarde vergangene Woche, dass in der Weltwirtschaft "etwas Sonne" durch die Wolken breche.

Die Wachstumsprognose für die USA erhöhte der IWF auf 2,2 Prozent in diesem und 2,3 Prozent im kommenden Jahr, verglichen mit 2,1 Prozent für beide Jahre bei den Prognosen im Juli. Die Finanzierungsbedingungen seien "sehr unterstützend", und auch das hohe Unternehmens- und Verbrauchervertrauen sorgten für einen rosige Aussichten, so der IWF. In dem Basisszenario seien die Haushaltsimpulse durch die Steuerreformen noch nicht enthalten, die von US-Präsident Donald Trump und der republikanischen Führung im Kongress unterstützt werden, hiess es weiter.

Im Euroraum rechnet der Währungsfonds nun mit einem BIP-Anstieg 2017 um 2,1 Prozent und 2018 um 1,9 Prozent - jeweils 0,2 Punkte mehr als vor drei Monaten. Die Perspektiven für den Währungsraum haben sich demnach mit der Belebung des globalen Handels verbessert sowie dank einer anhaltend starken Binnennachfrage und abnehmender politischen Risiken. Auch für China und Japan wurden die Annahmen leicht nach oben korrigiert.

Der Währungsfonds ermutigte die Länder dazu, das freundliche Umfeld zu nutzen, um das Wachstumspotenzial ihrer Volkswirtschaften zu erhöhen und die Auswirkungen des nächsten Abschwungs abzufedern. In wohlhabenden Ländern sollten die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik fortsetzen, bis es sichere Anzeichen für eine Inflation gibt, empfahl der IWF.

Die Staaten sollten Massnahmen einleiten, um die Produktivität zu verbessern, und Schritte ergreifen, die die Auswirkungen arbeitssparender Technologien und der Globalisierung abmildern, hiess es in dem Bericht.

"Die Entscheidungsträger sollten handeln, solange sie die Chance dazu haben", sagte Obstfeld.

(Bloomberg)