Wirtschaft reagiert besorgt nach Scheitern der Jamaika-Sondierung

Die deutsche Wirtschaft hat besorgt auf das Scheitern der Jamaika-Sondierungen reagiert. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, sprach von einer Enttäuschung. Damit würden Chancen verpasst.
20.11.2017 10:51

"Es besteht die Gefahr, dass jetzt die Arbeiten an wichtigen Zukunftsthemen unseres Landes lange verzögert werden", warnte er in der Nacht zum Montag. Deutsche Unternehmen müssten sich nun auf eine längere Phase der Unsicherheit einstellen. "Das ist für die Wirtschaft immer schwierig."

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, kritisierte, die sondierenden Parteien hätten Deutschland einen "Bärendienst" erwiesen. Der Abbruch der Gespräche leiste jenen Kräften Vorschub, die die Funktionsfähigkeit des politischen Systems infrage stellen.

Mit dem Scheitern verlängere sich die Phase des politischen Stillstandes, was sich negativ auf Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland auswirken werde.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht dagegen Chancen für einen zweiten Anlauf. "Noch sind nicht alle Stricke gerissen. Die Jamaika-Parteien müssen einen neuen Anlauf machen, denn sie wissen: Für keine von ihnen würden Neuwahlen Erfolg versprechen", argumentierte der DIW-Präsident.

Deutschland brauche eine handlungsfähige Regierung mit klaren Zielen und Visionen. Die Parteien müssten bei neuen Gesprächen die wichtigen Herausforderungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik angehen. Fratzscher nannte unter anderem Forschung und Bildung, Digitalisierung, die Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt sowie die Reform Europas und des Euro.

Die Verhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen über ein gemeinsames Regierungsbündnis waren am späten Sonntagabend gescheitert. Damit steht Deutschland vor Neuwahlen.

(AWP)