Wirtschaftskriminalität - Informanten helfen US-Börsenaufsicht bei Kampf gegen Corona-Betrug

Während die Wirtschaft wegen der Pandemie am Boden liegt, haben Kriminelle Hochkonjunktur. Beamte der US-Börsenaufsicht SEC haben derzeit alle Hände voll zu tun.
01.06.2020 02:50
In der Corona-Krise steigen die wirtschaftskriminellen Handlungen an.
In der Corona-Krise steigen die wirtschaftskriminellen Handlungen an.
Bild: pixabay.com

Informanten liefern ihnen zahllose Hinweise auf Betrügereien im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise. Zwischen Mitte März und Mitte Mai seien etwa 4000 Tipps eingegangen, berichtet Steven Peikin, Co-Chef der Abteilung für Ermittlungen bei der SEC. Das sei ein Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

"Das ist sicher nur der Anfang", sagt Neil Getnik, Partner beim Anwaltsbüro Getnick & Getnick. Üblicherweise erreiche die Zahl der Ermittlungen erst nach etwa sechs Monaten ihren Höhepunkt. Die angezeigten Vergehen reichten über Kreditbetrug, Wucherpreise bis zum Verkauf gefälschter oder minderwertiger medizinischer Güter.

Die SEC hat für Corona-Fälle eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet. Wegen ihrer Ermittlungen wurden bereits 31 sogenannte Penny Stocks, Aktien mit Kursen von wenigen US-Cents, vom Handel ausgesetzt. Die Unternehmen hatten dubiose Heilmittel und Tests für das Coronavirus sowie fragwürdige medizinische Güter beworben. Gegen zwei der Firmen reichte die SEC Klage ein.

Daneben nimmt die Behörde nach eigenen Angaben auch Firmen, die staatliche Hilfen in Anspruch genommen haben, unter die Lupe, um Unregelmässigkeiten aufzudecken. Ein erstes Strafverfahren wegen falscher Angaben zur Geschäftslage und zur Zahl der Angestellten läuft bereits.

Ex-Mitarbeiter als Whistleblower

Stephen Kohn, Partner der bei der Kanzlei Kohn, Kohn and Colapinto, beobachtet "eine Welle von Tipps im Zusammenhang mit dem Coronavirus". Die meisten Whistleblower seien entlassene Mitarbeiter, die nun auf Missstände bei ihren Ex-Arbeitgebern aufmerksam machen könnten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Eine Vielzahl der Informanten habe in kleinen Firmen gearbeitet. Es seien aber auch Fälle aus börsennotierten, "systemrelevanten" Unternehmen wie Fleischverarbeitern dabei.

Informanten wenden sich häufig an Anwälte, die sie durch das Belohnungsprogramm der SEC leiten. Es sieht Gelder für Tipps vor, die zu einer Strafzahlung von mehr als einer Million Dollar führen. Durch die wachsende Zahl von Whistleblowern würden die Kanzleien wählerischer bei der Auswahl der Klienten, sagt Sean McKessy, Partner der Kanzlei Philips & Cohen. Er konzentriere sich auf diejenigen Fälle, die die SEC üblicherweise am härtesten ahnde. Hierzu gehörten Bilanzmanipulationen oder die Verletzung von Mitteilungspflichten. "Bislang hat die SEC hauptsächlich Penny Stocks bestraft. Sie ist aber auch sehr wachsam bei Aussagen grösserer Firmen zum Einfluss des Coronavirus auf das Geschäft."

(Reuters)