Wovor sich Schweizer Anleger fürchten

Obwohl die Börsen wieder nach oben zeigen, halten sich Anleger immer noch zurück. Eine Studie von Schroders nennt die Gründe.
12.07.2013 11:01
Von Frédéric Papp
Am stärksten fürchten sich Schweizer Anleger vor der Sogwirkung der Euro-Schuldenkrise.

Steigen die Aktienmärkte weiter an oder droht bald wieder eine Korrektur? Bei der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. So riet zum Beispiel die Bank Vontobel Anfang Juli zur Umschichtung der Aktien in Barmittel, derweil die Investmentbank der UBS ihre Aktienquote deutlich aufstockte und den Cash-Anteil auf gegen null reduzierte (cash berichtete).

Fakt ist: Die Börsen haben seit dem 24. Juni wieder Auftrieb. Und nach den deutlichen Worten von Fed-Chef Ben Bernanke am Mittwochabend, die Anleihenkäufe auf absehbare Zeit nicht zu drosseln, drücken die Börsen weiter nach oben.  

Umso erstaunlicher ist, dass fast ein Drittel der vom britischen Fondshaus Schroders befragten Privatanleger gewillt ist, ihre Barmittelbestände im laufenden Jahr weiter zu erhöhen. In Anbetracht der kellertiefen Zinsen in den meisten Ländern sei diese Entwicklung überraschend, schreiben die Autoren der Schroders-Studie "Global Investment Trends Report". Für die Studie waren 14'800 aktive Investoren aus 20 Ländern (Europa, Asien, USA) mit einem Anlagevolumen von umgerechnet mindestens je 12'000 Franken befragt worden - davon 511 aus der Schweiz.

Grosse Angst vor Euro-Schuldenkrise

Laut der Studie liegt der Hauptgrund für die hohen Cashquoten in der nach wie vor fragilen Eurozone. Fast zwei Drittel der befragten Schweizer glauben, dass die Euro-Schuldenkrise das grösste Investmentrisiko darstellt (siehe Tabelle). Damit liegen die Schweizer deutlich über dem Durchschnitt von 49 Prozent.

Der Prozentsatz dürfte derzeit gar höher liegen, da zum Befragungszeitpunkt im April 2013 eine leichte Entspannung der Euro-Schuldenkrise sich abzuzeichnen schien. Doch mit dem erneuten Aufflammen der Krise in Griechenland, der Rückstufung der Bonität Italiens und dem nach unten korrigierten Wirtschaftswachstum für die Eurozone durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich die Euro-Schuldenkrise wieder zugespitzt.    

Bedenken hegen die Schweizer Anleger auch bezüglich der Steuerentwicklungen im europäischen Raum, vornehmlich in den von der Eurokrise am stärksten betroffenen Ländern. Das erklärt, warum 37 Prozent der Befragten mit weiteren politischen Instabilitäten und Unsicherheiten rechnen. Und ein Drittel der hiesigen Anleger glauben, dass eine nur schwach ausgeprägte Erholung der Märkte das grösste Investitionsrisiko darstellt.

 

Die grössten Sorgen der Schweizer Anleger

Anleger-Sorgen Anteil der Befragten
Euro-Schuldenkrise 65%
Politische Instabilität/Regierungspolitik 37%
schwache/verzögerte Entwicklung der globalen Konjunktur 27%
Wachstumsabschwächung in den Schwellenländern 20%
weiter andauernde tiefe Zinsen 19%
Steigende Inflation 18%

Quelle: Schroders, 15. Mai 2013