Zentralbanken wollen Finanzmärkte zusammen stützen

Basel (awp/sda) - Die grossen Zentralbanken der Welt stehen nach dem Brexit-Votum bereit, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Die Notenbanker beschlossen bei einem Treffen in Basel eine enge Kooperation untereinander.
26.06.2016 12:34

Die Notenbanker hätten bei ihrem Treffen in der Schweiz die Notfallmassnahmen der Bank of England befürwortet und ihre Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert, teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Samstagabend mit.

Die Zentralbanken und der private Sektor würden umfassende Notfallpläne bereithalten, um Störungen an den Finanzmärkten zu begrenzen, sagte BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana am Sonntag an der Generalversammlung der BIZ laut Redetext. Die Zentralbanken würden die Lage sorgfältig beobachten und das tun, was zur Sicherstellung eines geordneten Funktionierens der Märkte notwendig sei.

"In der Vergangenheit haben die Zentralbanken rasch gehandelt. Sie sind bereit, wieder zu handeln, und sie verfügen über das erforderliche Instrumentarium", sagte Caruana.

Phase der Unsicherheiten

Nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, dürfte eine Phase der Unsicherheiten und Anpassungen bevorstehen. Grossbritannien sei in hohem Masse mit der Weltwirtschaft verflochten, und London sei einer der wichtigsten internationalen Finanzplätze.

"Ich bin zuversichtlich, dass es mit einer engen Zusammenarbeit auf globaler Ebene gelingen wird, die Unsicherheiten zu begrenzen und möglichst reibungslose Anpassungen zu gewährleisten", sagte Caruana.

Knapp 52 Prozent der britischen Wähler hatten am Donnerstag für einen EU-Austritt gestimmt. An den Börsen löste das Votum am Freitag heftige Kursverluste aus, auch das Pfund verlor drastisch an Wert und fiel zeitweise auf das Niveau von 1985.

Notenbanken an Grenzen gestossen

Zudem sagte der BIZ-Generaldirektor, mit den ausserordentlichen Massnahmen, die die Zentralbanken zur Ankurbelung der Weltwirtschaft ergriffen hätten, seien sie zuweilen an ihre Grenzen gestossen: "Die Trennlinie zwischen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen ist zunehmend verschwommen.

Die Märkte und die breite Öffentlichkeit hätten sich in eine wachsende Abhängigkeit von den Zentralbanken begeben, sagte Caruana. Und sie hätten auch ihre Erwartungen an die Geldpolitik in die Höhe geschraubt.

Der Wunschzettel an die Notenbanken sei mittlerweile ziemlich lang: Wiederherstellung von Vollbeschäftigung, Gewährleistung eines nachhaltigen Wachstums, Wahrung der Preisstabilität, Einrichtung eines absolut sicheren Finanzsystems. "Das ist viel verlangt. Die Zentralbanken allein werden diese Wünsche nicht erfüllen können", sagte Caruana.

Die Zentralbanken würden am besten arbeiten, wenn sie sich ganz auf ihre Kompetenzen konzentrieren würden: die Gewährleistung von Geld- und Finanzstabilität. Carauna forderte deshalb einen institutionellen Rahmen mit klar voneinander abgegrenzten Zuständigkeiten der Zentralbanken und anderer politischer Entscheidungsträger.

(AWP)