Zinsen USA - cash-Leser haben gedämpfte Erwartungen an die Fed

Die Fed wird dieses Jahr die Zügel weiter straffen: Da ist sich die Mehrheit der cash-Leserschaft sicher. In der volatilen aktuellen Lage sind die Erwartungen aber gedämpft und Überraschungen nicht ausgeschlossen.
11.01.2019 11:24
Von Marc Forster
Im «Marriner S. Eccles Federal Reserve Building» werden Entscheidungen von globaler Bedeutung gefällt.
Im «Marriner S. Eccles Federal Reserve Building» werden Entscheidungen von globaler Bedeutung gefällt.
Bild: Bloomberg

Noch vor wenigen Monaten war die Meinung weitherum die gleiche: Nach vier Zinserhöhungen 2018 wird die amerikanische Notenbank Federal Reserve 2019 noch zweimal zur Straffung greifen.

Im Lauf des vergangenen Jahres stiegen die Leitzinsen der USA von 1,5 auf 2,5 Prozent. Ein Viertel der cash-Leserinnen und -Leser glaubt, dass die Zinsen in zwei Schritten noch bis 3 Prozent steigen werden. Wie 26 Prozent von rund 2500 Teilnehmern der cash-Umfrage argumentiert auch der Anlagechef der Raiffeisenbanken, Matthias Geissbühler. Die Konjunktur sei immer noch robust, sagt er im aktuellen cash-Börsen-Talk. Ausserdem wolle die Fed nach Ansicht des Raiffeisen-Investmentchefs den Eindruck vermeiden, die Aktienmärkte oder die Politik könnten wirkungsvoll Druck auf sie ausüben.

cash-Umfrage: Welche Zinsschritte tätigt die Fed 2019?

Dies ist ein valables Argument, denn: Die Fed gilt generell als "market-driven", jedenfalls mehr als andere grosse Notenbanken in der Welt. An der Fed geht das Jammern der Aktienanleger nicht spurlos vorüber, die jetzt jahrelang von der lockeren Geldpolitik profitiert haben. Auch Donald Trump hat die Fed wegen ihrer Zinspolitik heftig angegriffen und damit Spekulationen ausgelöst, Fed-Präsident Jerome Powell könnte vom Präsidenten zum Rücktritt aufgefordert werden. Aber gerade weil der Druck so gross ist, könnte die Notenbank sich veranlasst sehen, ihre Unabhängigkeit zu betonen und auf ihrem eingeschlagenen Kurs zu bleiben.

Der grösste Teil der cash-Umfrageteilnehmer hält es aber indessen für realistischer, dass die Fed die Leitzinsen nur noch einmal erhöht. 43 Prozent unter den Umfrage-Teilnehmern geht demnach davon aus, dass das Niveau der Fed-Zinsen noch bis 2,75 Prozent anziehen wird.

Gute Gründe, so zu wetten, gibt es ebenfalls. In den vergangenen Tagen haben wichtige Exponenten der Fed einen vorsichtigeren Kurs angedeutet. Fed-Chef Powell selber sagte vor wenigen Tagen, die Fed sei "flexibel". Zwei Zinserhöhungen sind seinen Aussagen zufolge überhaupt nicht in Stein gemeisselt. Powell hat damit übrigens den Aktienmärkten, die in den letzten Tagen wieder recht gut performt haben, sicherlich zu einigem an Schub verholfen. 

Die Fed achtet stark auf Daten

Aber dann: Die Prognose, dass die Fed 2019 ganz auf Zinserhöhungen verzichten wird, gewinnt am Markt zunehmend Anhänger. Heinz Rüttimann, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Alpinum Investment Management, sagte dieses Szenario im Gespräch mit cash vergangenen Monat voraus. In der cash-Umfrage teilen diese Einschätzung 26 Prozent.

Die Fed ganz von einer Zinserhöhung abhalten dürfte laut Rüttimann eine tiefere Inflationserwartung und die globale Wachstumsverlangsamung. Die Korrektur am Aktienmarkt deute darauf hin. "Die Fed, die von sich behauptet, 'data dependent' zu sein, wird diesen Rückgang wohl mitberücksichtigen". Schliesslich wolle die Fed auch die inverse Zinskurve (Erläuterung hier) bei den Renditen der Staatsanleihen (Treasuries) vermeiden, die als Anzeichen einer Rezession verstanden werde. Von ähnlichen Überlegungen lässt sich auch der Anlageschef des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life, Marc Brütsch, leiten. 

Schliesslich: Noch die Meinung einer kleinen Minderheit – bei Analysten wie auch den cash-Lesern – ist die Prognose, dass die Fed nicht nur vom Gas geht, sondern gar auf die Bremse tritt. In der cash-Umfrage sagen 6 Prozent, dass die Fed dieses Jahr die Zinsen senken wird.

Ummöglich ist dies nicht, und Fed-Chef Powell sagte vergangene Woche unter anderem auch, die Fed-Geldpolitik könne wenn nötig "erheblich" angepasst werden. Voraussetzung wäre aber wohl, dass sich in den USA ein starker Abschwung oder gar eine Rezession abzeichnet. Danach sieht es im Moment noch nicht aus. In einer rasanten Welt mit hohen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheiten kann es im Endeffekt aber so kommen, dass die 6-Prozent-Minderheit in der Umfrage recht behält. Im Moment muss man sagen: Man kann nie wissen.

 

Ausgewählte Produkte auf Swiss Life

Symbol Typ Coupon PDF
MBPFJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 13.60% PDF
MCWSJB Autocallable JB Multi Barrier Reverse Convertible 11.00% PDF
MBFZJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible with European Barrier 8.54% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär