börsen-talk

«Zinssenkung treibt SMI nach oben»

Die EZB-Zinssenkung wird den Börsen in den kommenden Wochen weitere Kursgewinne bescheren, sagt ZKB-Researchleiter Sven Bucher im cash-Börsen-Talk. Und er nennt seine Aktienfavoriten.
08.11.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Sven Bucher, Researchleiter der Zürcher Kantonalbank, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Am Donnerstag wartete die Europäische Zentralbank (EZB) mit einem Paukenschlag auf. Sie senkte den Leitzins von bisher 0,5 Prozent auf rekordtiefe 0,25 Prozent. Und ihr Präsident, Mario Draghi, setzte sogar noch einen drauf, indem er selbst eine weitere Zinssenkung auf Null nicht mehr ausschliesst.

Die überwiegende Mehrheit der Marktbeobachter hatte einen solchen Schritt frühestens im Dezember erwartet. Nicht so die Experten der Zürcher Kantonalbank (ZKB): "Die Zinssenkung hat uns nicht wirklich überrascht. Wir haben bereits letzten Montag in einem Anlagekommentar auf die Wahrscheinlichkeit einer frühen Zinssenkung hingewiesen", sagt ZKB-Researchleiter Sven Bucher im cash-Börsen-Talk.

An den Börsen wurde der EZB-Schritt mit deutlichen Kursgewinnen gefeiert – zumindest kurzfristig. Der Swiss Market Index (SMI) sprang sofort um 1 Prozent auf rund 8300 Punkte hoch, gab aber gegen Handelsende die Gewinne fast gänzlich wieder preis. Der Deutsche Aktienindex (DAX) zog gut 0,4 Prozent an.

«Werden weitere Kursgewinne sehen»

Die Reaktion der Börse auf die Zinssenkung sei aber kein Strohfeuer gewesen, sagt Bucher. "Solange die Notenbanken ihre Billiggeldpolitik fortsetzen, werden wir weitere Kursgewinne sehen."

Der Schweizer Aktienmarkt hat seit Jahresbeginn bereits eine beachtliche Rally hingelegt. Der Blick in die Vergangenheit zeigt laut Bucher, dass die Börsen von Oktober bis Dezember stets avancierten. Dies dürfte auch für dieses Jahr zutreffen, so Bucher.

Positiv gestimmt ist der ZKB-Researchleiter immer noch für zyklische Titel. Bereits bei seinem letzten Börsen-Talk-Besuch vom Juli strich er die Zykliker hervor. Speziell empfiehlt Bucher die Titel des Logistikers Kühne & Nagel, weil sie von einer anziehenden Weltwirtschaft profitieren könnten. Interessant ist laut Bucher auch ABB. Der Technologiekonzern verzeichnete im dritten Quartal eine Zunahme an Basisaufträgen.

Auch Unternehmen aus der zweiten Reihe hat Bucher auf dem Radar - so zum Beispiel den Zuger Schraubenhersteller Bossard.

Auf Spezialsituationen achten

Ein Augenmerk sollten Anleger laut Bucher auch auf Unternehmen legen, die sich in einer Spezialsituation befinden, wie zum Beispiel Nestlé. Der Waadtländer Nahrungsmittelmulti hat am Donnerstag wegen des immer langsamer wachsenden Umsatzes die Diätnahrungssparte Jenny Craig veräussert. Ein Verkaufspreis wurde nicht genannt. Nestlé kaufte 2006 Jenny Craig für 600 Millionen Dollar.

Dabei soll es nicht bleiben. Nestlé stelle noch weitere Unternehmensteile zur Disposition, teilt der Konzern am Donnerstag mit. "Unsere Schätzungen gehen von zusätzlichen Barmitteln aus Verkäufen von fünf bis fünfzehn Milliarden Franken aus", sagt Bucher. Dieses Geld könnte in Form von Dividendenerhöhungen den Aktionären zugutekommen.

Im Markt wird auch gemunkelt, dass Nestlé seine Beteiligung von rund 30 Prozent am französischen Kosmetikhersteller L’Oréal im kommenden Jahr verkaufen könnte. Dies würde dem Nahrungsmittelkonzern weitere Barmittel von rund 27 Milliarden Franken in die Kassen spülen.
 

Im Börsen-Talk nennt Bucher weitere Unternehmen, die sich in einer Spezialsituation befinden und sagt, weshalb UBS-Aktien jetzt einen spekulativen Kauf wert sind und was vom so genannten Window-Dressing zu halten ist.