Zürcher Forscher entwickeln "Klima-Stresstest" für Finanzsysteme

Die Klimapolitik hat sich hohe Ziele gesteckt, um die Erderwärmung zu begrenzen. Finanzsysteme sehen sich dadurch mit neuen Risiken konfrontiert, insbesondere auch Pensionskassen. Forschende der Uni Zürich haben daher mit Kollegen einen "Klima-Stresstest" für Anlageportfolios entwickelt.
11.04.2017 10:51

Mit dem Pariser Klimavertrag haben sich die Staaten darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Über die Fortschritte ihrer Klimapolitik sollen die Länder regelmässig Rechenschaft ablegen.

Die Abkehr von fossilen Brennstoffen zur Senkung der CO2-Emissionen bedeutet grosse Umwälzungen auch für die Wirtschaft. Und zwar nicht nur für Unternehmen, die mit Kohle und Öl ihr Geld verdienen, sondern auch andere, energieintensive Wirtschaftszweige. Und nicht zuletzt betrifft die Klimapolitik Finanzsysteme, weil diese an solchen Unternehmen durch Aktien, Obligationen oder Kredite beteiligt sind.

NEUE RISIKOBEWERTUNG

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Stefano Battiston von der Universität Zürich hat daher einen "Stresstest" entwickelt, um Klimarisiken von Anlageportfolios im Rahmen verschiedener politischer Szenarien zu beurteilen. Die Information daraus soll bekannte Indikatoren und die Einschätzung von Experten ergänzen, schrieb die Uni Zürich in einer Mitteilung vom Dienstag.

Die Analyse mit dem neuen Stresstest ergab, dass sich die Risiken durch klimapolitische Massnahmen für die Top-EU-Banken in Grenzen halten: "Die direkten Auswirkungen von klimapolitischen Massnahmen auf den fossilen Brennstoff- und Versorgungssektor dürften weder zum Crash einzelner Banken noch zu systemrelevanten Dominoeffekten auf den Finanzsektor führen", sagte Battiston gemäss der Mitteilung. EU-Banken bräuchten sich demnach nicht vor der Einführung klimapolitischer Regelungen zu fürchten.

PENSIONSKASSEN STARK BETROFFEN

Anders sieht es beispielsweise für Pensionskassen aus, da diese durch ihre Beteiligung an Investmentfonds indirekten Effekten der Klimapolitik ausgesetzt sind. Die kombinierten Auswirkungen auf die Aktienportfolios in betroffenen Sektoren seien gross, schreibt die Uni Zürich. Das Risiko werde zudem durch gegenseitige Verflechtungen der Finanzmarktteilnehmer erhöht.

Die Forschenden ziehen das Fazit, dass klimarelevante Finanzinformationen offengelegt werden müssen, um Risikobewertungen zu verbessern und die richtigen Anreize für Investoren zu schaffen.

Das reiche aber noch nicht aus, so die Wissenschaftler. Insbesondere sei eine frühzeitige Einigung auf stabile klimapolitische Rahmenbedingungen hilfreich, da so eine sanftere Anpassung der Vermögenspreise möglich wäre, sagte Battiston. "Zudem lassen sich so Gewinner und Verlierer des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft identifizieren."

mk

(AWP)