Zukunft des Autos - EU-Parlament stimmt über neue CO2-Grenzwerte ab

Das EU-Parlament will eine gemeinsame Haltung der Mitgliedsländer zum CO2-Ausstoss erreichen.
03.10.2018 07:11
Ein Autoauspuff.
Ein Autoauspuff.
Bild: Pixabay

Immer noch greifen die meisten Kunden beim Autokauf zu Modellen mit Verbrennungsmotor. Dem Klima zuliebe will die EU das ändern und mehr Fahrzeuge mit niedrigem oder gar keinem CO2-Ausstoss auf die Strassen bringen - also zum Beispiel E-Autos, solar- oder wasserstoffbetriebene Wagen. Ein Weg, dieses Ziel zu erreichen, sind schärfere CO2-Grenzwerte für Neuwagen.

Derzeit wird darum gestritten, wie streng die Werte bis zum Jahr 2030 sein sollen. Das EU-Parlament will sich in einer wegweisenden Abstimmung am Mittwoch (etwa 12.30 Uhr) auf eine gemeinsame Haltung für die anstehenden Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten einigen.

Fest steht: Der Verkehr ist ein Klima-Schädling. Rund ein Viertel der gesamten Treibhausgas-Emissionen in der EU stammten zuletzt aus dem Transportsektor. Dabei kommt Autos und Lastwagen die Rolle der wichtigsten Klimasünder zu - weit vor Flugzeugen und Frachtschiffen. Auf den Strassen Europas werden laut der Europäischen Umweltagentur EEA knapp drei Viertel der transportbedingten Treibhausgase in die Luft geblasen.

Und es wird eher schlimmer: Laut dem Umweltausschuss des EU-Parlaments ist der Transportsektor der einzige Bereich, in dem der Ausstoss an klimaschädlichen Gasen wie CO2 in der EU weiter wächst - im Gegensatz beispielsweise zur Landwirtschaft oder zur Industrie. Wer also das Klima schützen und die Erderwärmung verlangsamen will, kann demnach bei Autos einen wirksamen Hebel ansetzen.

In der politischen Diskussion sind derzeit neue flottenweite CO2-Grenzwerte für Neuwagen zwischen den Jahren 2021 und 2030. "Flottenweit" - das bedeutet: Die Grenzwerte legen fest, wie viel CO2 die verkauften Neuwagen eines Autobauers im Schnitt ausstossen dürfen. Für jeden Hersteller werden dabei individuelle Werte festgelegt. Wer vor allem schwere und grosse Autos produziert - wie viele deutsche Marken - dessen Flotte darf auch mehr Kohlendioxid ausstossen. Hauptsache, am Ende wird im Schnitt ein europaweit festgelegter Grenzwert eingehalten.

30 Prozent Senkung vorgeschlagen

Die aktuelle Vorgabe bis 2021 liegt bei 95 Gramm pro Kilometer, der europäische Durchschnittswert liegt derzeit bei 118,5 Gramm. Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass der Grenzwert bis 2030 weiter gedrückt werden muss. Strittig ist aber, um wie viel.

Die EU-Kommission hatte im November 2017 eine europaweite Senkung um 30 Prozent im Vergleich zu den Grenzwerten von 2021 vorgeschlagen. Die Bundesregierung ist auf diesen Kurs eingeschwenkt - nachdem sich Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit einem ehrgeizigeren Ziel nicht durchsetzen konnte.

Im EU-Parlament hat sich der zuständige Umweltausschuss zuletzt auf eine Reduktion von 45 Prozent verständigt. Das würde nach Vorstellung der Abgeordneten Autohersteller verpflichten, mehr E-Autos an den Mann zu bringen. Autobauer, die ihre Grenzwerte überschreiten, müssten dem Vorschlag zufolge Strafen an die EU zahlen.

Daneben wollen die Abgeordneten des Ausschusses, dass künftig CO2-Emissionen im echten Fahrbetrieb auf der Strasse gemessen werden. Bislang ist das nur auf dem Prüfstand möglich. Welche Forderungen das Parlament dann tatsächlich in die anstehenden Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten mitnimmt, hängt von den Abstimmungsergebnissen am Mittwoch ab.

Ob Grenzwerte tatsächlich der grosse Wurf bei der Klimarettung sein können? Umweltschützer sind skeptisch. "Die flottenweiten Grenzwerte haben bisher nicht funktioniert", sagt Benjamin Stephan von Greenpeace. Zwar steigere sich dadurch möglicherweise die Effizienz von Autos. Aber diese Zugewinne würden an anderen Enden aufgefressen.

Industrie warnt

In Europa seien immer mehr Autos verkauft worden - und noch dazu immer PS-stärkere und grössere, sagt Stephan. Ausserdem würden in diesen Autos mehr Kilometer zurückgelegt. Die Folge: Der CO2-Ausstoss in Europa steige - obwohl es Grenzwerte für das Treibhausgas auf EU-Ebene schon seit 2009 gibt. Aus Greenpeace-Sicht wäre ein fixes Enddatum für Verbrennungsmotoren der richtige Weg.

Die Industrie hingegen warnt vor zu strikten CO2-Vorgaben und Arbeitsplatzverlusten. Drastisch niedrigere Grenzwerte könnten nur erreicht werden, wenn wesentlich mehr Autos mit alternativen Antrieben verkauft würden, heisst es in einer Pressemitteilung des europäischen Herstellerverbands Acea. Für deren Herstellung würden aber weniger Arbeitskräfte gebraucht als für Autos mit Verbrennungsmotor.

Ausserdem könne nicht allein die Industrie dafür sorgen, dass mehr Autos mit alternativem Antrieb nachgefragt würden: "Um den Verkauf von Elektro-Autos anzukurbeln, braucht es mehr Unterstützung von den nationalen Regierungen", erklärte Acea-Generalsekretär Erik Jonnaert. Sie müssten Ladeinfrastruktur bereitstellen und Kaufanreize schaffen.

Bislang läuft es eher schleppend mit dem Erreichen des aktuellen Grenzwerts bis 2021. Der durchschnittliche CO2-Ausstoss von Neuwagen in Europa ist laut der Europäischen Umweltagentur EEA im Jahr 2017 sogar leicht gestiegen. Probleme bereitet den Herstellern vor allem, dass Kunden vermehrt dem Diesel den Rücken kehren und auf Benziner mit höherem CO2-Ausstoss umsteigen.

(AWP)