Zypern-Krise spielt Schweizer Banken in die Hände

Die Zypern-Pleite ist vorerst abgewendet, doch die Verunsicherung unter ausländischen Anlegern ist ungebrochen. Das hilft Schweizer Finanzinstitute bei der Akquise von ausländischen Vermögen.
25.03.2013 14:11
Von Frédéric Papp
Ausländer eröffnen mehr Konti bei Schweizer Banken, wegen Krisen im Euroraum.

Trotz vorläufiger Rettung des zypriotischen Finanzplatzes in letzter Sekunde ist die Verunsicherung unter Anlegern nach wie vor ungebrochen. Mit Slowenien steht wegen seines maroden Bankensystems ein weiterer Euro-Staat vor der Pleite. Die Turbulenzen in der Eurozone veranlassen immer mehr EU-Bürger, ihr Geld in sichere Finanzplätze wie die Schweiz zu transferieren. Hauptgrund ist nicht die Steuerflucht, sondern die Angst vor dem Zugriff des Staates.

"Als solider Bankplatz hilft die Zypern-Krise den Schweizer Banken und Vermögensverwalter ", sagt Infidar-CEO Markus Gonseth zu cash. Bislang habe die Infidar – eine Tochtergesellschaft der Bank Julius Bär – keine Anfragen von zypriotischen Bankkunden erhalten. Man sei an nicht klar zuzuordnenden Geldern keinesfalls interessiert, sagt Gonseth.

Dennoch: "Die wieder aufgeflammte Verunsicherung in der Eurozone treibt Kunden mit rechtsmässig erworbenen und versteuerten Vermögen verstärkt in Schweizer Finanzhäuser. Dies haben auch vergangene Krisen gezeigt", sagt Gonseth.

Direkte Profiteure sitzen woanders

Dies bestätigt auch Thomas Della Casa, Geschäftsleitungsmitglied bei der Neuen Helvetischen Bank. "Mittelfristig hilft die Zypern-Krise dem Schweizer Finanzplatz. Private wie auch institutionelle Anleger werden noch stärker als früher zwischen sicheren und instabilen Finanzplätzen und guten und schlechten Banken unterscheiden", sagt Della Casa.

Die Schweizer Banken zählen zu den bestkapitalisierten Finanzhäusern weltweit. Ein weiteres Verkaufsargument um Neugeld aus dem Ausland anzuziehen, ist der stabile Franken.  

Direkte Profiteure der Zypern-Krise sind laut Della Casa die klassischen Kandidaten: "Delaware und Miami in den USA, die britischen Kanalinseln und Singapur – auch wenn es der Stadtstaat nicht offiziell zugibt", sagt Della Casa.

Delaware ist eine der ältesten noch intakten Steueroasen der Welt. Nirgendwo sonst können Unternehmen ihre Steuern besser minimieren als hier. Und nirgends ist es einfacher, mit einer Briefkastenfirma oder Stiftung Geld vor dem Fiskus zu verstecken.