Politiker sind erleichtert nach Alpiqs Verzicht auf Wasserkraft-Verkauf

Der Energiekonzern Alpiq legt den teilweisen Verkauf seines Wasserkraftportfolios auf Eis. Diese Nachricht kommt bei Energiepolitikern, die gegen diesen Schritt Widerstand angemeldet hatten, sehr gut an. Auch der Wasserkraftkanton Wallis begrüsst den Verzicht.
28.08.2017 12:56

Alpiq hatte im März 2016 nach Millionenverlusten angekündigt, man wolle bis zu 49 Prozent am Wasserkraftportfolio an Investoren verkaufen. Heute kam die Kehrtwende: Keiner der in- und ausländischen Investoren sei bereit gewesen, die regulatorischen Unwägbarkeiten mitzutragen, hiess es vor den Medien in Olten.

"Keiner war bereit, diese Risiken zu übernehmen und die Situation zu überbrücken, bis sich die Preise am mittleren und langen Ende wieder erholen", sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin. Den teilweisen Verkauf hatte Alpiq vom Preis, den vertraglichen Konditionen sowie von der Transaktionssicherheit abhängig gemacht. Diese drei Kriterien wurden laut dem Unternehmen nicht erfüllt.

Als weiteren Stein auf dem Weg führt Alpiq die politischen Diskussionen an. Nach der Ankündigung des Teilverkaufs meldeten verschiedene Kreise Widerstand an und warnten vor einem "Ausverkauf" der Schweizer Wasserkraft.

Der Präsident der Energiekommission der Nationalrats (UREK), Stefan Müller-Altermatt (CVP/SO), zeigte sich entsprechend erleichtert. Es sei klar gewesen, dass ein Verkauf angesichts des Marktumfelds schwierig war, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Dass Alpiq nun selber die Wasserkraft über die Runden bringen wolle und in besseren Zeiten wieder davon profitieren werde, sei positiv. Strategisch habe es kein Interesse an einem Verkauf ins Ausland gegeben.

Erleichtert darüber, dass nun keine Wasserkraftanteile ins Ausland gehen, zeigte sich auch die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Die Wasserkraft gehöre nicht nur in inländische Hand, sondern ins Volksvermögen, fordert sie. Die Wasserkraft werde wieder die Cashcow von morgen sein.

Der Walliser Staatsrat und Energieminister Roberto Schmidt (CSP) sieht den Verkaufsverzicht von Alpiq als Grund zur Freude für das Wallis. Er schätzt zudem, dass der Energiekonzern mit einer Erholung der Wasserkraft rechne.

Es sei sehr wichtig, dass Alpiq Besitzer der Wasserkraftwerke bleibe, führte Schmidt auf Anfrage aus. Alpiq gehörten 27 Prozent der Wasserkraftkapazitäten im Kanton Wallis, die Zusammenarbeit sei ausgezeichnet, sagte er.

Alpiq-Chefin Staiblin sieht an den politischen Diskussionen auch positive Seiten: Die Politik habe erkannt, dass die Wasserkraft defizitär sei. Dies zeige, dass die Fakten rational angesehen würden. Es gebe die Erkenntnis, dass für die Wasserkraft eine Übergangslösung notwendig sei. So könne die Wasserkraft im Markt wirtschaftlich betrieben werden, sagte Staiblin. Man sei im konstruktiven Dialog und zeige die Situation transparent auf. Konkrete Forderungen stelle sie nicht.

Alpiq verkauft den produzierten Strom im teilliberalisierten Markt an der Strombörse. Die Verkaufserlöse decken jedoch die Produktionskosten nicht. Die Gestehungskosten der Wasserkraft liegen bei 6,5 Rappen pro Kilowattstunde (kWh), während die Grosshandelspreise unter 3,5 Rappen pro kWh liegen. Alpiq rechnet mit keiner baldigen Erholung der Terminpreise.

Der Alpiq-Bereich "Generation Schweiz", in der die Wasserkraftanlagen und die beiden Beteiligungen an den AKW Leibstadt AG und Gösgen SO zusammengefasst sind, weist im ersten Halbjahr ein Defizit von 100 Millionen Franken aus. Der Reinverlust von Alpiq im ersten Halbjahr beträgt 109 Millionen Franken.

An der Börse kam die Aktie nach der Ankündigung zum Verkaufsverzicht und des Verlusts zunächst unter Druck, erholte sich aber rasch wieder. Zur Mittagszeit notierten die Papiere fast unverändert gegenüber dem Vortag.

(SDA)