Positive Bilanz der Organisatoren

Hitze, Heimatgefühle und ein Überraschungssieger: das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer ist am Sonntag nach drei friedlichen, sonnigen und heissen Tagen zu Ende gegangen. Den Sieg trug ein Berner davon.
28.08.2016 20:40

Mit dem Berner Oberländer Matthias Glarner gewann einer der nicht von Anfang an im Rampenlicht stand. Hörte man sich am Freitag und Samstag in den Festzelten auf dem 90 Hektar grossen Festgelände um, so wurden vor allem die Namen des amtierenden Königs, Matthias Sempac,h oder des jungen Bündners Armon Orlik als Favoriten genannt.

Glarner hatten die Experten wohl durchaus auf der Rechnung, doch der 30-jährige Meiringer war bisher kein grosser Medienstar wie andere Schwingerkollegen.

Und so pirschte sich Glarner etwas im Schatten der hochgehandelten Favoriten an den Königstitel heran. In einem packenden Schlussgang bodigte der Berner Oberländer dann den Bündner Orlik. Die über 52'000 Zuschauer in der grössten mobilen Sportarena der Welt feierten den neuen König laustark.

Er habe seinen Sieg noch nicht ganz realisiert, aber es sei schon ein "ganz cooles Gefühl", sagte Glarner unmittelbar nach Schlussgang.

In Glarners Heimat ist man "mächtig stolz" auf den neuen Schwingerkönig, wie der Meiringer Gemeindepräsident Roland Frutiger auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Am Montagabend wollen die Meiringer Glarner einen würdigen Empfang bieten. Auch Glarners Wohngemeinde Heimberg gratulierte und will den Schwingerkönig am Mittwoch empfangen.

Das "Eidgenössische" ist aber nicht nur ein Sportfest, sondern auch ein riesiges Volksfest mit Partyprogramm am Abend in den Festzelten. Die Organisatoren erwarteten insgesamt rund 250'000 Besucherinnen und Besucher. Gekommen sind nach ihren Angaben rund 280'000; 255'000 während der drei Festtage und 25'000 bereits im Vorfeld.

Die Organisatoren zogen am Samstagabend eine "sehr positive Bilanz". Das Fest verlieft friedlich und ohne grössere Zwischenfälle. Das befürchtete Verkehrschaos bleib aus.

Das Grosse Thema des dreitägigen Grossanlasses war stattdessen die Hitze. Bei Temperaturen von über dreissig Grad war jedes noch so kleinen Schattenplätzchen gefragt. Wer konnte, verdrückte sich unter Sonnenschirme oder in die Festzelte. Selbst unter Bänken suchten manche Schutz vor der Sonne.

Die Sanitäter leisteten während des Festes 1354 Einsätze wegen leichter Verletzungen. Wegen Scherben mussten mehr als 200 Schnittverletzungen behandelt werden. Auch die Hitze setzte manchen Festbesuchern zu. Insgesamt wurden 45 Personen ins Spital gebracht, davon neun Notfälle.

Kaum je dürften die an Schwingfesten populären Edelweisshemden, Sennenkutten und Trachten wärmer gemacht haben als am Fest in Estavayer. Die Organisatoren hatten ein Fest geprägt von Leidenschaft und Emotionen versprochen. Damit wurden die Besucher in- und ausserhalb der Arena gut bedient.

Bereits bei der Eröffnungsfeier am Freitag und auch am offiziellen Festakt am Sonntag liessen die Organisatoren die vielfältige Freiburger Kultur und Tradition hochleben. Das Publikum dankte es mit viel Applaus. Zur eigentlichen Hymne des Festes wurde der Freiburger Kuhreihen "Ranz des vaches", bei dem das Publikum begeistert mitsang.

Bundespräsident "Schneider-Ammann Johann", wie er im Stadion nach Schwingersitte mit dem Nachnamen zuerst begrüsst wurde, beschwor in seiner Ansprache die Kraft der Tradition. Tradition und Gemeinsinn machten die Schweiz stark. "Eine Schweiz, auf die wir stolz sind und für die wir all unsere Kraft verwenden."

Am Schwingfest in Estavayer zeige sich die Freiburger Tradition in ihrer ganzen Pracht. Das ganze Land könne stolz sein auf Estavayer und die Romandie, schloss der Bundespräsident. Nach dem Festsieg von Glarner gratulierten Schneider-Amman, wie auch sein Bundesratskollege Guy Parmelin, dem neuen Schwingerkönig auf Twitter.

A propos Twitter: der Hashtag "esta16" war nach Angaben der Schwingfest-Veranstalter am Wochenende der meisteverwendete der Schweiz.

Das "Eidgenössische" ist mit einem Budget von mittlerweile rund 29 Millionen Franken und zahlreichen Grosssponsoren längst auch "Big Business". Es sind nicht nur drei Tage sportliche Leistung, sondern auch drei Tage durchprofessionalisiertes und wohlkommerzialisiertes Heimatgefühl.

(SDA)